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Frankreich: Findungsprozess beim Geheimfavoriten

Frankreichs wertvollster Spieler: Franck Ribéry. (Bild: Keystone)

Sind Sie bereit für die Fussball-EM? «Handelszeitung Online» stellt in Zusammenarbeit mit Euler Hermes Schweiz alle Nationen vor - auch abseits von sportlichen Perspektiven. Heute: Frankreich.

Von Volker Strohm
am 01.06.2012

Frankreich ist nach dem Wechsel an der politischen Spitze in einem Findungsprozess. Wachstum, so lautet die Devise von François Hollande, der damit auch zahlreichen Euro-Partnern vor den Kopf stösst. Trotzdem scheint auch das Thema Sparen beim Sozialisten kein rotes Tuch zu sein: So will er die Gehälter der Manager in Staatsunternehmen unter die Lupe nehmen - hohe Abfindungen und Spitzenlöhne sind Hollande ein Dorn im Auge.

Die Angst vor einem Ende der Sparpolitik in Frankreich nach der Wahl Hollandes hatte die Finanzmärkte in Aufruhr versetzt. Aus Paris ertönt zudem immer lauter der Ruf nach Eurobonds - also einer gemeinsamen Finanzierung aller Eurostaaten. Das kommt nicht uneigennützig, ist der einstige Vorzeigestaat doch selbst in Schräglage geraten: Abstufung durch die Ratingagenturen und rekordhohe Arbeitslosenzahlen sind nur zwei Schlagzeilen der vergangenen Monate. 

«Wir wünschen uns aufrichtig, dass Griechenland in der Euro-Zone bleibt», wurde Finanzminister Pierre Moscivici zuletzt zitiert - dennoch hält die französische Regierung einen Euro-Abschied der Griechen für möglich.

Sport

Frankreich gilt als einer der Geheimfavoriten auf den EM-Titel und ist nach zuletzt sehr durchzogenen Leistungen nur sehr schwer einzuschätzen. «L'équipe tricolore» ist bereits zweifacher Europameister: Die Franzosen gewannen das Turnier 1984 und 2000.

Für die Franzosen gilt bereits das Auftaktspiel als absoluter Höhepunkt: Dann geht es für das Team von Trainer Laurent Blanc am 11. Juni in Donezk gegen den Erzrivalen England.

Marktwert

Frankreichs Topstars sind allesamt im Ausland engagiert: Mit 56 Millionen Euro ist Bayern-Mittelfeldstar Franck Ribéry der wertvollste Spieler im Kader - gefolgt von Karim Benzema (46,5 Millionen Franken, Real Madrid) und Samir Nasri (33,5 Millionen Franken, Manchester City).

Gesamthaft bringt es das Team gemäss «transfermarkt.ch» auf einen Marktwert von 450 Millionen Franken. 

Wirtschaft

Die französische Wirtschaftslage unterschied sich von seinen europäischen Nachbarn zeitweilig dadurch, dass es, auf Grund eines BIP-Wachstums von 0,2 Prozent im Schlussquartal von 2011, nicht zu einem Schrumpfungsprozess kam - und das entgegen aller Vorhersagen und Konjunkturerhebungen. Dementsprechend schloss das Jahr mit leicht beschleunigtem Wachstum von +1,7 Prozent (gegenüber +1,4 Prozent im Jahr 2010) ab.

«Wir sollten uns jedoch nicht von der Entwicklung im Schlussquartal täuschen lassen», hält Euler Hermes Schweiz in der Prognose fest. Diese war einer zum Teil künstlich herbeigeführten Erholung bei den Investitionen geschuldet sowie stabilen Exporten, für welche die Aussichten momentan jedoch nicht besonders vielversprechend sind.

Die Inlandsnachfrage wird wohl weiterhin nicht als Wachstumslokomotive in ausreichendem Mass fungieren. Infolge einer weiteren Verschlechterung des Geschäftsklimas und des Verbrauchervertrauens hat sie sich nach einem Jahr Talfahrt gerade halbwegs stabilisiert. Nach einem schwierigen ersten Quartal versprach die Konjunktur nach einem Kälteeinbruch ein bestenfalls moderates Wachstum; das BIP dürfte 2012 gerade so weit ansteigen (+0,4 Prozent), dass es mit dem Wirtschaftswachstum des 1. Quartals 2008 gleichzieht.

 

Die Frankreich-Spiele in Gruppe D

Montag, 11. Juni / 18.00 Uhr: Frankreich-England
Freitag, 15. Juni / 18.00 Uhr: Ukraine-Frankreich
Dienstag, 19. Juni / 20.45 Uhr: Schweden-Frankreich

 

 

«Handelszeitung Online» präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Kreditversicherer Euler Hermes Schweiz die 16 EM-Länder - für einmal nicht nur beschränkt auf den rein sportlichen Fokus. Lesen Sie am Donnerstag: Alle Details zu Spanien.

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