Frankreichs Notenbankchef Christian Noyer fordert mehr Sparanstrengungen von der Regierung in Paris. Noyer attestierte in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit dem Magazin «Wirtschafts Woche» seinem Land zwar Fortschritte bei den Strukturreformen. Er äusserte sich zugleich aber enttäuscht, dass die Sanierung der Staatsfinanzen hinter den europäischen Vorgaben hinterherhinkt.

«Es gibt keinen Grund, dass wir unsere Haushaltsziele nicht erreichen könnten», kritisierte Noyer. Frankreich müsse den europäischen Partnern bis Anfang Oktober einen überzeugenden Finanzplan vorlegen.

Defizitziel wird klar verfehlt

Trotz gelockerter Zeitvorgaben hatte die Regierung in Paris einräumen müssen, dass sie das EU-Defizitziel von maximal drei Prozent der Wirtschaftsleistung auf Jahre klar verfehlen wird.

«Gerade wegen der derzeit niedrigen Inflation könnte im französischen Haushalt viel aggressiver gespart werden», sagte Noyer. Die Franzosen würden Kürzungen eher akzeptieren, wenn die öffentlichen Verwaltungen ihr Geld ebenfalls besser zusammenhielten.

Angela Merkel fordert Ausgabendisziplin

In Europa wird angesichts des schwachen Wirtschaftswachstums derzeit erneut über den Kurs in der Finanz- und Wirtschaftspolitik debattiert. Während Bundeskanzlerin Angela Merkel auf strikte Ausgabendisziplin pocht, fordern Frankreich und Italien mehr Zeit für Strukturreformen und das Erreichen der Defizitziele, um die Konjunktur anzukurbeln.

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Das Thema dürfte auch eine wichtige Rolle beim Besuch des französischen Regierungschefs Manuel Valls am Montag bei Merkel spielen. Präsident Francois Hollande hat erst am Donnerstag weiteren Sparmassnahmen eine Absage erteilt.

(reuters/gku)