Im Jahr 2012 verdienten Frauen in der Privatwirtschaft im Schnitt 21,3 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Das zeigt die neue Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik (BFS). 2008 hatte der Lohnunterschied noch 25,5 Prozent betragen.

Dabei muss unterschieden werden zwischen Lohnungleichheit und Lohndiskriminierung. Die Lohnungleichheit lässt sich teilweise durch strukturelle Faktoren erklären, wie beispielsweise durch Unterschiede im Bildungsstand, in der Anzahl Dienstjahre oder in der ausgeübten Kaderfunktion innerhalb des Unternehmens.

Dort, wo die Lohnunterschiede nicht erklärbar sind, handelt es sich hingegen um Diskriminierung. Dieser Anteil betrug 2012 - heruntergerechnet auf einen Monatslohn in der Privatwirtschaft - durchschnittlich 678 Franken. Insbesondere zeigt sich, dass die Diskriminierung umso grösser ist, je höher die Kaderfunktion ist.

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Weiterhin Diskriminierung

Das Bündnis Lohngleichheit, dem über 50 Frauen- und Berufsorganisationen sowie Gewerkschaften angehören, verweist in einem Communiqué am Freitag zudem auf die Situation der Berufseinsteigerinnen. Gerade beim Einstieg ins Berufsleben seien Erwerbsunterbrüche und -leistung als Gründe für Lohnungleichheit nicht plausibel. Die unerklärbaren Lohnunterschiede von Berufseinsteigerinnen seien offensichtlich reine Diskriminierung.

Der Schweizerische Katholische Frauenbund (SKF) und der Verband Evangelische Frauen Schweiz (EVG) sehen die Diskriminierung auch als Problem der Sozialwerke, denen durch die geringeren Beitragsleistungen der Frauen Gelder verloren gingen. Bevor die Diskriminierung nicht behoben sei, sei die geplante Anhebung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre deshalb nicht zu rechtfertigen, schreiben sie am Freitag.

Keine Fortschritte

Mit Blick auf frühere Publikationen des BFS lassen sich in den vergangenen Jahre keine nennenswerte Fortschritte im Kampf gegen die Lohndiskriminierung feststellen. Während 2012 40,9 Prozent der Lohnunterschiede im privaten Sektor auf eine Diskriminierung zurückzuführen waren, betrug die Quote 2010 noch 37,6 Prozent und 2008 39,6 Prozent. 1998 war der Anteil der Lohndiskriminierung mit 41,1 Prozent praktisch auf dem Niveau von 2012.

Wie aus der aktuellen Auswertung hervorgeht, variieren die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern je nach Wirtschaftszweig stark. Besonders ausgeprägt ist die Ungleichheit in der Banken- und Versicherungsbranche mit 34,0 Prozent und in der Maschinenindustrie mit 25,5 Prozent. Hier verdienten Frauen die dieselben strukturellen Merkmale aufwiesen wie Männer im Schnitt monatlich 1089 Franken respektive 972 Franken weniger.

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Staat entlöhnt vorbildlich

Demgegenüber waren die Lohnunterschiede in der chemischen Industrie mit 14,1Prozent und im Gastgewerbe mit 11,0 Prozent deutlich geringer. Auch die mit Diskriminierung begründbaren monatlichen Lohnunterschiede waren in diesen Branchen kleiner.

Deutlich weniger ausgeprägt als in der Privatwirtschaft sind die Lohnunterschiede im öffentlichen Sektor. Dort lag die Diskrepanz zwischen den Geschlechtern 2012 bei durchschnittlich 16,5 Prozent. Der Prozentsatz der nicht erklärbaren Unterschiede lag bei 38,8 Prozent

(sda/mbü/me)