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Studie
Fussball-WM wird Brasilien kaum beflügeln

Alltag: Fussball-Leidenschaft in Rio de Janeiro.   Keystone

Ökonomen bringen es mit neuen Daten auf den Punkt: Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Mega-Events ist verschwindend gering – dauerhafte Impulse für die Wirtschaft bleiben aus.

Veröffentlicht am 14.05.2014

Brasilien kann einer Studie zufolge nicht auf ein deutlich höheres Wirtschaftswachstum durch die Fussball-Weltmeisterschaft hoffen. «Die volkswirtschaftliche Bedeutung von solchen Mega-Events ist verschwindend gering», fasste Ökonom Jörn Quitzau die Ergebnisse einer Untersuchung der Berenberg Bank und des Wirtschaftsforschungsinstituts HWWI zusammen.

Zwar profitierten kurzfristig Firmen aus der Sicherheits-, Gastronomie- oder Baubranche, es gebe aber keine dauerhaften Impulse für die Wirtschaft. Das hätten etwa nach den Olympischen Spielen in Griechenland 2004 oder der Fussball-WM in Südafrika 2010 erhobene Daten gezeigt. Bedeutsamer seien sogenannte weiche Faktoren: «Eine reibungslos organisierte WM kann gerade für Schwellenländer ein wichtiges Signal an potenzielle Investoren sein», sagte HWWI-Ökonom Henning Vöpel.

Grosse Hoffnungen auf Tourismuseinnahmen

Auch das fussballbegeisterte Brasilien, dem eine hohe Inflation, soziale Ungleichheit und Korruption zu schaffen macht, verbindet grosse Hoffnungen mit dem Ereignis, das am 12. Juni angepfiffen wird. Das Land schätzt die Tourismuseinnahmen im Zuge der WM auf 5,5 Milliarden Dollar - zum Vergleich: der Karneval in Rio spült jährlich 3,2 Milliarden Dollar in die Tourismuskasse.

«Die im Vorfeld eines Grossereignisses erstellten Kosten-Nutzen-Analysen überzeichnen regelmässig die positiven Effekte», erläuterte Vöpel. Dagegen stünden geschätzte zehn Milliarden Dollar an Investition für die Fußball-WM, die auch in der brasilianischen Bevölkerung massiv kritisiert werden. Es werden stattdessen mehr Ausgaben für Bildung und Gesundheit gefordert.

Kosten nur von geringer Bedeutung

Aber auch die Kosten für die WM seien wirtschaftlich nur von geringer Bedeutung, so Berenberg-Ökonom Quitzau: Die zehn Milliarden Dollar entsprächen etwa einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts - die öffentlichen Ausgaben für Bildung und Gesundheit machten rund 15 Prozent aus.

Eine gut organisierte WM und ein entsprechender Erfolg der eigenen Mannschaft könne sicher Werbung für den Standort Brasilien sein und auch zu mehr Zusammenhalt und Stolz in der Bevölkerung beitragen - ähnlich habe Südafrika von der Fussball-WM profitiert. «Die Ausrichtung eines Grossevents ersetzt aber keine gute Wirtschaftspolitik», sagte Quitzau. Brasiliens Chancen auf den Titelgewinn seien jedenfalls grösser als eine schnelle Lösung seiner wirtschaftlichen Probleme.

(reuters/vst)

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