Die sinkende Inflation eröffnet der chinesischen Zentralbank Spielraum für Konjunkturhilfen. Die Verbraucherpreise stiegen im Juni nur noch um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, teilte die Statistikbehörde am Mittwoch mit.

Im Mai waren es noch 2,5 Prozent. Die Teuerungsrate entfernte sich damit weiter vom Zielwert der Regierung von 3,5 Prozent. Die Produzenten senkten ihre Preise sogar um 1,1 Prozent und damit den 28. Monat in Folge, was als Hinweis auf eine schwache heimische Nachfrage gilt.

«Grosser Spielraum für die Geldpolitik»

«Das öffnet die Tür für eine umfassende Lockerung der Geldpolitik wie Zinssenkungen, um die Konjunktur zu stützen», sagte Analyst Wang Jin von Guotai Junan Securities in Shanghai. Viele Ökonomen gehen mittlerweile davon aus, dass Peking in den kommenden Monaten neue Massnahmen bekanntgeben wird, um das Wachstumsziel von 7,5 Prozent im kommenden Jahr zu erreichen. «Die gedämpfte Inflation eröffnet einen grossen Spielraum für die Geldpolitik», sagte Ökonomin Julia R Wang von HSBC.

Zu Jahresbeginn war die Wirtschaft mit 7,4 Prozent so langsam gewachsen wie seit anderthalb Jahren nicht mehr. Experten gehen davon aus, dass die Banken künftig weniger Geld bei der Zentralbank hinterlegen müssen, wodurch sie mehr Kredite vergeben werden können. Die Regierung hat angesichts der Konjunkturabkühlung bereits reagiert und ihre Kassen geöffnet. Die Staatsausgaben stiegen im Mai um fast ein Viertel auf 1,3 Billionen Yuan (rund 154 Milliarden Euro). Mit dem Geld wird beispielsweise der Ausbau des Schienennetzes beschleunigt. Mehr Geld fliesst auch in den öffentlichen Wohnungsbau.

Anzeige

(reuters/dbe/sim)