Die Schweiz galt lange Jahre als Musterschülerin in der Bekämpfung von Geldwäscherei. Nun bekommt dieses Bild Risse. Die Fälle häufen sich. Allein in den vergangenen Wochen flogen gleich mehrere Affären auf. Die Privatbank Hyposwiss wird mit fragwürdigen Geschäften eines russischen Oligarchen in Verbindung gebracht. Die Credit Suisse soll in die Machenschaften einer tschechischen Energiefirma verwickelt sein. Bei der Bundesanwaltschaft läuft zudem seit Monaten ein Geldwäscheverfahren gegen den Schwiegersohn des kasachischen Präsidenten.

Die Rückkehr des Geldwäscherei-Problems betrifft nicht nur die üblichen Sektoren. «Die Geldwäscherei verlagert sich immer mehr in unregulierte Bereiche», sagt Paolo Bernasconi, Anwalt in Lugano und emeritierter Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität St. Gallen. Dazu zählten Immobilien, Schmuck sowie Kunst und Luxusautos. Gerade auch im Kunsthandel hätten sich die Geldwäscherei-Fälle in letzter Zeit gehäuft, so Bernasconi. Für den Geldwäscherei-Spezialisten Daniel Thelesklaf ist klar: «Die trügerische Ruhe um Geldwäscherei-Delikte ist vorbei.» Die Lage sei brandheiss, es gebe wieder mehr Verfahren.

Früherkennung als wichtige Aufgabe

Der designierte Schweizer Bundes­anwalt Michael Lauber hat dem Thema Geldwäscherei Priorität eingeräumt. Ihm zufolge erfüllt die Schweiz zwar die internationalen Standards weitestgehend. «Es ist jedoch eine wichtige Aufgabe, das Phänomen Geldwäscherei so frühzeitig wie möglich zu erkennen», ist Lauber überzeugt. Zudem drängt er darauf, dass grosse Fälle zum Abschluss gebracht werden. Nur so sei die Abschreckungswirkung in Bezug auf die strategische Risikoexponierung des Finanzplatzes gegeben, sagt er.

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Auch die Politik macht die Geldwäscherei wieder zum Thema. So gab es in den letzten Monaten verschiedene Vorstösse, die nicht regulierten Bereiche unter das Geldwäschereigesetz zu stellen. «Heute sind den Behörden die Hände gebunden. Besonders im Immobilienbereich besteht grosser Handlungsbedarf. Wenn jetzt nichts unternommen wird, ist es für den Ruf der Schweiz eine Katastrophe», sagt etwa SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen. SVP-Nationalrat Pirmin Schwander befürchtet dagegen, dass mit neuen Regeln über das Ziel hinausgeschossen wird. «Der Bundesrat will den Immobiliensektor, die Treuhandbranche und die bargeldintensiven Wirtschaftszweige dem Geldwäschereigesetz unterstellen.»

Bund wird sich mittelfristig fügen müssen

Der internationale Druck wächst, die Bekämpfung der Geldwäscherei auf die unregulierten Bereiche auszudehnen. So kritisiert die bei der OECD ­angesiedelte Financial Action Taskforce (FATF), dass der Immobilien- und der Edelsteinhandel nicht unter die Geldwäscherei-Bestimmungen fallen. Mittelfristig wird sich der Bund jedoch fügen müssen, zumal in der EU diese Bereiche bereits überwacht werden. «Die Schweiz hat bisher sämtliche Empfehlungen der internationalen Arbeitsgruppe FATF umgesetzt und wird dies auch in Zukunft mit Augenmass tun», erwartet Geldwäscherei-Experte Peter Cosandey.