Mit der Fusion von Facility Management Schweiz (FM) und Maintenance and Facility Society Switzerland (MFS) entstand die grösste nationale Organisation der FM-Branche mit rund 1500 Mitgliedern. Der Verband nennt sich fmpro. Bislang gab es für das FM-Geschäft keine zentrale Anlaufstelle wie etwa für die Maschinenindustrie oder für die Nahrungsmittelbranche.

Das schweizerische Marktvolumen dieser Branche wird generell unterschätzt. Fest steht nur, dass die breit gefächerten Angebote dieser Dienstleister aus der Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken sind. Sicher ist auch, dass ihr volkswirtschaftlicher Beitrag wegen eines fehlenden Zusammenzugs höchst unterschiedlicher Datenquellen – wenn im Glücksfall überhaupt vorhanden – Grund dafür ist, weshalb diese Branche in der Öffentlichkeit zu wenig wahrgenommen wird. Man setzt sie bestenfalls mit einer Ansammlung von Putzinstituten gleich.

Kein Wunder, sind Exponenten der Branche darüber nicht sehr glücklich. Besonders deutlich wird Susanne Baumann, KPMG AG Facilities & Procurement sowie Vizepräsidentin von fmpro: «Wir sind mit unserem Stellenwert in der Wirtschaft noch nicht zufrieden. Ein Grund dafür ist meines Erachtens, dass das Berufsfeld als solches, im Gegensatz zu den angelsächsischen Ländern, in der Schweiz nicht im gewünschten Mass positioniert ist.» Nationalrat Peter Malama, erster Präsident des seit dem 1. Januar 2011 operativen fmpro, hat sich zum Ziel gesetzt, «auch auf dem politischen Parkett zugunsten dieses wichtigen Wirtschaftszweiges aktiv zu werden und dessen oft unterschätzte Wertschöpfung im öffentlichen Bewusstsein besser zu verankern». Damit einher gehe auch das Bemühen um eine noch höhere Professionalisierung und qualifizierte Ausbildung.

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Verbesserte Transparenz

Malama wie den Exponenten der fusionierten Verbände liegt auch viel daran, mehr Transparenz über die FM-Branche zu schaffen, mit der man fast tagtäglich konfrontiert wird. Das kann bei der Begegnung mit Putzequipen in Geschäftsliegenschaften, Spitälern und Flughäfen sein, aber nicht nur. Die Dienstleistungspalette so bedeutender Anbieter wie etwa ISS, Mibag, Vebego oder Cofely umfasst heute ungefähr so viele Facetten, wie das Alphabet Buchstaben hat. Das reicht etwa von A wie traditionelle Abwartsaufgaben über C wie Catering, E wie Energiemanagement, K wie Kanalunterhalt, P wie Projektschutz oder T wie Telefonservice bis hin zu Z wie Zeitmanagement.

Diese reiche und zersplitterte Angebots­palette trägt mit dazu bei, dass es praktisch keinen Zusammenzug von Wertschöpfungskennziffern und Beschäftigtenzahlen gibt. Daher wollen sich auch nicht alle Befragten angesichts der höchst unsicheren Faktenlage für die gesamte Branche auf die Äste hinauslassen, sobald es um relevante Zahlen geht. Aber gemäss Jürg Brechbühl, Geschäftsleitungsmitglied der Vebego Services AG, eine der Grossen im FM-Geschäft, macht das Volumen des Reinigungsmarktes in der Schweiz rund 5,1 Milliarden Franken aus. «Der Anteil des Oursourcing hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Er verdoppelte sich von rund 18 Prozent im Jahr 1994 auf gut 47 Prozent.» Die Schätzungen der im FM-Geschäft Beschäftigten variieren zwischen 100000 und 200000, wenn man die Nichtorganisierten ebenfalls mitzählt. Würden auch die Zulieferer – unter ihnen Hersteller von Reinigungsmitteln oder Putzmaschinen – mit eingerechnet, kämen bestimmt 50000 weitere dazu. Die Wertschöpfung erhöhte sich um rund eine halbe Milliarde Franken.

Dass das Potenzial in der Schweiz noch längst nicht ausgeschöpft ist, zeigen internationale Vergleiche. Gemäss Eugen Rieser, Chefredaktor des Magazins «punto», liegt die Oursourcing-Rate im EU-Schnitt bei etwa 55 Prozent, in Deutschland bei 60 Prozent und in den Niederlanden gar bei 70 Prozent. In der Schweiz macht diese Quote weit weniger als 50 Prozent aus.

Spezialisten im Vormarsch

In einem sind sich alle Befragten einig: Die Zukunftsaussichten der Branche werden als intakt eingestuft. Dazu stellvertretend Branchenkenner Peter Staub, der den Lehrstuhl «Betrieb und Unterhalt» an der ETH innehat: «Der Outsourcing-Trend ist weiter angestiegen. Weil die Benutzer in den seltensten Fällen über eigene Ressourcen für das Erbringen von FM-Leistungen verfügen, ist die externe Vergabe mit 72 Prozent sehr hoch.» Zudem sei ein eigentlicher Vormarsch von spezialisierten FM-Dienstleistern zu beobachten. «Sie erhalten das Dreifache des Auftragsvolumens der Komplett- oder Paketanbieter.»

Philip Stadelmann, Leiter Verkauf FM bei Cofely, Zürich, kann den Trend für Spezialdienstleistungen bestätigen. «Viele Unternehmen wollen nur Teilleistungen an einen Externen vergeben, für die sie auf Fachspezialisten angewiesen sind.» Cofely gehört zu den Komplettanbietern im FM-Geschäft, wenn es um das technische Gebäudemanagement geht, und ist gleichzeitig ein Beispiel für einen weiteren Trend: Immer mehr Kunden beziehen FM-Fachleute schon bei der Planung von Gebäuden mit in ihre Konzepte ein, denn es ist vielfach so, dass am meisten gespart werden kann, wenn Gebäude und Gebäudehülle bereits intelligent projektiert werden. «Sie hinterher effizienter zu gestalten, was Unterhalt und Gebäudemanagement angeht, ist aufwendiger. Wichtig ist, dass man den ganzen Lebenszyklus eines Objektes im Auge behält. Dann lassen sich Kosten wirksamer sparen», stellt auch Rieser immer wieder fest. Auch Stadelmann findet es wichtig, dass sein Unternehmen, wenn immer möglich, den Kunden «von der Planung über den Unterhalt bis zum Betrieb von gebäudetechnischen Infrastruktureinrichtungen» begleitet.

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Nicht weiter verwundert die Feststellung aller Befragten, die sie aufgrund ihrer Branchenkenntnis und der Entwicklung in den letzten Jahren gemacht haben. Staub fasst es in einem Satz zusammen: «Der Kampf um Marktanteile wird sich verschärfen.» Das hängt zum einen mit dem nicht nur vermuteten, sondern mit dem tatsächlich grossen Marktpotenzial – siehe oben – zusammen, aber auch mit dem vermehrten Eintritt ausländischer Mitbewerber in den schweizerischen FM-Markt, wie Brechbühl betont. Als Mitglied des Zentralvorstandes des Arbeitgeberverbandes Allpura, in welchem 170 Unternehmen vertreten sind, die über 50 Prozent aller Beschäftigten in dieser Branche vertreten, hat er den Radar besonders weit aufgespannt. Er nennt auch Gründe für die geringen Einstiegsbarrieren. «Der Initialaufwand zur Gründung eines Unternehmens ist sehr gering. Es braucht keine Bewilligung, ein kleines Kapital und wenig Know-how für einen Start.»

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Nach all diesen Tatsachen – grosses Marktpotenzial, leichter Einstieg und wachsende Bereitschaft zum Outsourcing sowie die zunehmende ausländische Konkurrenz – verwundert nicht, dass der Druck auf die Margen steigt. «Ja, der Preisdruck steigt, aber er geht nicht nur vom Kunden aus. Verschiedene Marktteilnehmer verfolgten eine aggressive Wachstumsstrategie und erhöhen ihn zusätzlich», stellt Stadelmann fest. Staub spricht gar von einem «knallharten Verdrängungskampf», der teilweise von der Nachfrageseite vor allem im Rahmen von Ausschreibungen ausgenützt werde. Stéphane Schneider, Geschäftsführer von Mibag, relativiert hingegen: «Dumpingpolitik hat kurze Beine. Erfahrene Auftraggeber wissen, dass sich Niedrigpreisangebote letztlich in der Qualität niederschlagen. Innovationskraft und herausragende Leistungen haben ihren Preis. Entscheidend für den Kunden ist ein überdurchschnittliches Preis-Leistungs-Verhältnis.»

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