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Geplatzte Träume in Nordkorea

Kim Jong-un auf Seefahrt: Der DIktator sendet verwirrende Signale. (Bild: Keystone)

Nach der überraschenden Neujahrsrede von Diktator Kim Jong-un herrschte Tauwetter. Firmen aus aller Welt witterten ihre Chancen auf dem unerschlossenen Millionenmarkt. Nun ist wieder alles anders.

Von Marc Badertscher und Lukas Heim
am 21.03.2013

Im Januar war alles anders. «Die Flüge nach Pjöngjang sind zurzeit voll mit Reisenden aus aller Herren Länder», berichtete damals ein Geschäftsmann aus Nordkorea. Optimismus machte sich breit. Bereits hofften erste Unternehmen auf neue Geschäftsfelder, nachdem Nordkoreas neuer Staatschef Kim Jong Un Reformsignale ausgesandt hatte. Er wolle das kommunistische Land zu einem «wirtschaftlichen Riesen» machen, hatte er in seiner überraschenden Neujahrsansprache erklärt und  einen radikalen Umschwung angekündigt.

Die Resonanz kam postwendend. Google-Chef Eric Schmidt reiste im Januar in das ostasiatische Land. Das World Economic Forum rief ein Beratergremium ins Leben, um der strikte abgeschotteten Nation mit Fachwissen zur Seite zu stehen und westliche Investoren zu vermitteln. Nordkorea - darüber redeten alle.

Unternehmen an der Seitenlinie

Inzwischen ist das kommunistische Regime gerade wieder im Gespräch. Doch das Thema ist nun ein ganz anderes. Pjöngjang rasselt kräftig mit dem Säbel und droht dem Süden und den USA mit Angriffen.

An der Schweizer Unternehmerwelt ging die vermeintliche Wachstumsstory aber so oder so vorbei. «Auf den Fliegern nach Pjöngjang befinden sich kaum Schweizer», sagte im Januar der Geschäftsmann. Grosse Konzerne in der Schweiz, die traditionell früh in neuen Märkten investieren, stünden noch an der Seitenlinie. «Wir sind zurzeit nicht in Nordkorea aktiv, und es ist im Moment auch nicht vorgesehen», sagt Sprecher Giligian Eisner vom Handelshaus DKSH. Beim Elektrotechnikkonzern ABB, der bis 2003 vor Ort war und sich dann zurückzog, klingt es ähnlich. Es gebe keine Überlegungen, aktiv zu werden, sagt Sprecher Antonio Ligi. Novartis verkauft weder direkt noch indirekt Produkte.

Die Angst vor dem Rufschaden

Die Gefahren eines Engagements sind denn auch abgesehen von der politischen Lage nach wie vor beträchtlich. Es gibt wenig Rechtssicherheit, der Schutz der Investoren ist nicht garantiert. Hinzu kommen Imagerisiken. «Wenn ein Unternehmen gleichzeitig auf dem amerikanischen Markt tätig ist, muss es sehr aufpassen, keine Fehler im Umgang mit Nordkorea zu machen», sagt ein anderer Nordkorea-Kenner. Seit 2002 gelten Sanktionen wegen des Atomprogramms des Regimes in Pjöngjang. Gerade grosse Unternehmen sorgen sich um ihren Ruf in den USA, selbst wenn sie nicht gegen die Sanktionen verstossen sollten.

Hierzulande überwiegt  das Vorsichtsdenken. Zurzeit hätten keine Schweizer Unternehmen in Nordkorea investiert, berichtet der Handelsmann, der zwischen Peking und Pjöngjang pendelt. Es gebe einzig ein paar helvetische Firmen, die zum Beispiel Rohstoffe im Land einkauften oder dort etwa Kleider im Auftragsverhältnis herstellen liessen. Diese Unternehmen wollen allerdings nicht mit Namen in der Öffentlichkeit genannt werden. «Werbung mit Nordkorea-Engagements kann man noch nicht machen», sagt der Händler.

DIeser Artikel ist eine überarbeitete und gekürzte Version eines längeren Berichtes aus der gedruckten Ausgabe der «Handelszeitung» vom Januar.

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