Die Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB) beraten am heutigen Donnerstag über ihre Geldpolitik. Experten erwarten aber, dass die EZB-Ratsmitglieder den Schlüsselzins für die Geldversorgung des Bankensystems, der seit September 2014 auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent liegt, nicht weiter antasten.

Akteure an den Finanzmärkten wollen nach dem Zinsbeschluss von Notenbank-Präsident Mario Draghi am Nachmittag unter anderem wissen, wie die EZB auf die jüngsten Börsen-Turbulenzen wegen der Furcht vor einer Abkühlung der Wirtschaft in China reagiert. Auch die nach Ansicht der Euro-Wächter gefährlich niedrige Inflation im Währungsraum dürfte an der Pressekonferenz eine Rolle spielen.

Ausweitung der Geldschwemme?

Experten erhoffen sich von Draghi zudem Hinweise, ob er die Feuerkraft des bisher auf 1,14 Billionen Euro angelegten Programms zum Kauf von Staatsanleihen möglicherweise erhöhen wird. Seit März pumpen die EZB und die Zentralbanken der Euro-Länder Woche um Woche auf diese Weise Milliarden an billigem Geld in das Finanzsystem.

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Sie wollen mit den Käufen dafür sorgen, dass die Institute weniger in Anleihen investieren und stattdessen mehr Kredite an die Wirtschaft vergeben. Konjunktur und Inflation sollen angeschoben werden.

Grosser Sprung blieb bisher aus

Doch der grosse Sprung blieb bislang aus: Die Inflation lag auch im August nur bei 0,2 Prozent. Und das ist meilenweit von der EZB-Zielmarke von knapp unter zwei Prozent entfernt, die die EZB als ideal für die Wirtschaftsentwicklung betrachtet.

Draghi wird am Nachmittag zudem voraussichtlich neue Prognosen seines Stabs zu Konjunktur und Inflation im Euro-Raum vorstellen. Manche Experten gehen davon aus, dass die EZB ihre Erwartungen für die Preisentwicklung unter anderem wegen des jüngsten Rückgangs der Energiepreise leicht senken wird.

(sda/dbe/hon)