Ein zypriotisches Frachtschiff transportiert für den Rohstoffhändler Glencore Weizen von Australien nach Europa – zum Nulltarif. Der Schiffseigner ist schon zufrieden, dass sich Glencore an den Treibstoffkosten beteiligt, um das Schiff in eine lukrativere Region zu manövrieren. In den letzten Wochen sind die Frachtpreise auf ein Allzeittief gefallen. Wenn der Baltic Dry Frachtindex der Vorlaufindikator für die Weltkonjunktur ist, für den ihn viele Analysten halten, dann gehen wir düsteren Zeiten entgegen.

Die Signale sind widersprüchlich. In den USA bewirken bessere Arbeitsmarktdaten und steigende Aktienkurse eine Stimmungsaufhellung. In Europa hat die Europäische Zentralbank mit ihrer jüngsten langfristigen Finanzierungsaktion die Liquidität der Banken sichergestellt. Die langfristigen Zinsen in Italien sind wieder unter 6 Prozent gefallen.

Viele Risiken und eine explosive Mischung

Aber die weltwirtschaftliche Entwicklung ist alles andere als robust. Die USA bleiben im Wahljahr politisch blockiert, das Schuldenproblem ungelöst. Im Iran entwickelt sich eine explosive Mischung. Die Währung Rial befindet sich im freien Fall, die Importe haben sich massiv verteuert, die Wirtschaft bricht ein. Als Reaktion auf die Embargopolitik des Westens droht der Iran mit der Schliessung der Strasse von Hormuz. Das könnte den Ölpreis hochtreiben und die weltweiten rezessiven Tendenzen massiv verstärken.

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Gleichzeitig verschärft sich die Euro-Krise weiter. Die Euro-Chefs drohen bereits offen damit, Griechenland fallen zu lassen, wenn die Griechen die Sparvorgaben nicht einhalten. Offenbar sind sie zur Überzeugung gekommen, dass die Folgen für das Finanzsystem und die Euro-Zone zu bewältigen wären.

Egal, wie die Verhandlungen in Athen ausgehen: Eine Lösung, mit der sowohl Deutschland und die Finanzmärkte als auch die griechische Bevölkerung leben könnten, bleibt eine Illusion. Sie wird früher oder später platzen, vielleicht bei den Wahlen im April, beim nächsten Kassensturz im griechischen Haushalt oder bei der nächstfälligen Schuldenrückzahlung.

Die Wahlen bringen weitere Turbulenzen

Das Risiko einer Eskalation der Euro-Krise bleibt hoch. Die Zinsen für Italien und Spanien sind zwar gesunken, aber langfristig immer noch deutlich zu hoch. Portugal befindet sich bereits auf griechischem Kurs. Die Präsidentschaftswahl in Frankreich, mit dem ersten Wahlgang am 22. April, wird für Unruhe sorgen. In den Umfragen führt der Sozialist François Hollande, der nicht nur die linke Wende, sondern auch eine neue Politik für die Euro-Zone propagiert – weg vom gemeinsamen Kurs mit Deutschland.

Eine Eskalation der Euro-Krise hätte schwerwiegende Konsequenzen für das internationale Finanzsystem und für die globale Wirtschaft. Bereits warnt der Internationale Währungsfonds (IWF), das chinesische Wachstum könnte sich halbieren, wenn Europa in eine Rezession verfällt.

Angesichts dieses giftigen Cocktails muss sich die Schweiz auf weitere Turbulenzen gefasst machen. «Es dominieren Abwärtsrisiken», mahnte Thomas Jordan, Vizepräsident der Nationalbank, diese Woche. Der Bundesrat sollte die Vakanz an der Spitze der Nationalbank nach dem Abgang von Philipp Hildebrand rasch beenden – bevor der nächste Sturm losbricht.

Möglich, dass die Euro-Politiker die Lage in den Griff kriegen. Dass die US-Wirtschaft Tritt fasst. Dass der Iran-Konflikt sich entspannt. Vielleicht signalisiert der Frachtindex nicht den Kollaps des Welthandels, sondern nur die Dummheit von Schiffseignern.

Aber schwere Finanzkrisen dauern meist länger als vier Jahre. Es kann nicht schaden, auf alles gefasst zu sein.