Sie gehören zu den teursten Quadratmetern im Land. Und doch stossen sie häufig auf wenig Interesse. Parkplätze. Rund zehn Millionen dieser rechteckigen Felder gibt es in der Schweiz. Auf einem Teil davon steht nur selten ein Auto.

Verkürzt gesagt: Über die ganze Schweiz gesehen gibt es zu viele – private – Parkplätze.

Das ist ein Problem, in vielerlei Hinsicht. Für die Vermieter drückt sich das Problem in Franken und Rappen aus: Wenn die Fläche leer steht, müssen sie auf Einnahmen verzichten.

Wie viele Schweizer Parkplätze sind nicht vermietet? Es sind viele, wie die Credit Suisse in einer neuen Studie aufzeigt.

1800 Franken im Jahr für den Einstellplatz

Die Grossbank liefert zwar keine Zahl dazu. Sie schätzt aber den Ertragsverlust, den die Leerstände verursacht. Anders ausgedrückt: Sie beziffert, auf wie viel Geld Vermieter verzichten, weil sie den Parkplatz nicht losbringen.

Daraus lässt sich schliessen, dass es vor allem in der Agglomeration und auf dem Land zu viele private Parkplätze gibt.

Wie teuer ist ein solcher Leerstand für die Vermieter? Parkplätze liefern mehr als fünf Prozent der Mieteinnahmen einer Liegenschaft.

Denn ein privater Parkplatz in der Schweiz ist teuer: Die Jahresmiete für einen Einstellplatz beträgt rund 1560 Franken (im Mittel). In den Städten müssen die Mieter sogar bis zu 1800 Franken dafür zahlen. Dass die Miete in den Städten höher ist, erklärt sich auch mit den hohen Investitionen der Vermieter: Ein Tiefgaragenplatz kostet zwischen 35'000 und 42'000 Franken.

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Teurer Abschreiber für die Vermieter

Viele Vermieter können diese stolzen Beträge nicht in Rechnung stellen: Mehr als jeder zehnte Franken an Mieteinnahmen durch Parkplätze geht durch den Leerstand verloren. Ein Extrembeispiel ist das Glatttal in der Nähe von Zürich: Dort beträgt der Ertragsverlust knapp 25 Prozent. Grob geschätzt ist also jeder vierte Parkplatz nicht vermietet.

In den Städten ist das Problem weniger ausgeprägt. Dort gibt es weniger Parkplätze – und die Nachfrage ist auch höher, weil viele Pendler mit dem Auto kommen.

Auf dem Land gibt es besonders viele leere Parkplätze

Ertragsausfälle je nach Region (in Prozent aller Parkplatzmieteinnahmen)

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Quelle: REIDA, Credit Suisse

Quelle: REIDA, Credit Suisse

Investoren müssen Parkplätze bauen

Der Markt für Parkplätze ist nicht im Gleichgewicht. Und das hat vor allem politische Gründe: Viele Gemeinden schreiben den Investoren vor, wie viele Parkplätze sie pro Wohnung bauen müssen.

Und sie handhaben diese Vorschriften sehr unterschiedlich, wie ein Beispiel zeigt: In Stans in der Innerschweiz muss eine Überbauung mit 20 Wohnungen ein Drittel mehr Parkplätze haben als eine gleich grosse Anlage im aargauischen Reinach.

Manche Gemeinden orientieren sich laut der Studie immer noch an einem veralteten Prinzip: pro Wohnung ein Parkplatz.

Ein solches Denken ist in der heutigen Zeit überholt: Vor allem in den Städten verzichten immer mehr Menschen aufs Auto oder sie teilen sich eins. Neue Technologien, der stetige Ausbau des öffentlichen Verkehrs und die Sharing-Economy verändern unsere Mobilität grundlegend.  

Die Credit Suisse empfiehlt der Politik deshalb, die Regulierung zurückzufahren – und den Markt besser spielen zu lassen.

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