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Bank-Run
Griechen verstecken unter ihren Matratzen Milliarden

Passanten in Athen: Griechen plündern ihre Konten.   Keystone

Aus Angst vor einer Verschlechterung der Finanzlage plündern griechische Sparer ihre Konten. Täglich werden Hunderte Millionen Euro abgezogen. Griechenlands Banken geraten immer mehr unter Druck.

Veröffentlicht am 14.02.2015

Die Luft für griechische Banken wird immer dünner. Von der regulären Finanzierung durch die Europäische Zentralbank (EZB) sind sie schon weitgehend abgeschnitten. Inzwischen sind die Institute zur Geldversorgung vor allem auf sogenannte ELA-Notfallkredite ihrer heimischen Notenbank in Athen angewiesen.

Lange gutgehen kann das nicht: Denn die EZB kann umfangreiche ELA-Hilfen nur dann gewähren, wenn die Geldhäuser solvent bleiben. Ihr kommt im Schuldenstreit der neuen griechischen Linksregierung mit den internationalen Geldgebern eine Schlüsselrolle zu. Tritt das Katastrophenszenario «Staatspleite» ein, könnte der EZB nicht viel anderes übrigbleiben, als die Reissleine zu ziehen und die ELA-Hilfen zu stoppen.

Treffen der Euro-Finanzminister

Mit Spannung wird daher das Treffen der Euro-Finanzminister am Montag in Brüssel erwartet - ob ein Durchbruch gelingt ist ungewiss. Das aktuelle Hilfsprogramm für Griechenland läuft Ende Februar aus. «Einigt sich Griechenland in den kommenden Wochen nicht mit seinen Geldgebern und ginge dem Land etwa im März oder April das Geld aus, ist es möglich, dass die EZB nach vorheriger Androhung den Liquiditätshahn zudreht», schätzt etwa Commerzbank-Volkswirt Christoph Weil.

ELA-Hilfen werden von den jeweiligen nationalen Notenbanken auf deren eigenes Risiko bereitgestellt und sollen nur zur Überbrückung kurzfristiger Liquiditätsprobleme dienen. Voraussetzung dafür: Die Zahlungsfähigkeit der Institute. Bislang konnten diese auch Hellas-Staatsanleihen mit Ramsch-Bonität als Pfand für frisches EZB-Zentralbankgeld nutzen. Doch diese Sonderregelung kippte die EZB unlängst. Viel andere Sicherheiten besitzen griechische Institute aber nicht.

Sparer plündern ihre Konten

Wie wichtig diese Nothilfen sind, zeigen jüngste Angaben zu den Abflüssen von Kundeneinlagen bei den hellenischen Banken. Die Abflüsse hätten sich auf zuletzt auf 300 bis 500 Millionen Euro täglich summiert, sagten Mitarbeiter zweier Banken der Nachrichtenagentur Reuters. An einigen Tagen könnten es sogar mehr als eine Milliarde Euro gewesen sein. Bereits im Dezember hatten Kunden offiziellen Daten zufolge Gelder in Höhe von vier Milliarden Euro abgezogen. Im Wahlmonat Januar dürften es sogar rund zwölf Milliarden Euro gewesen sein.

Damit wurde ein Bericht der konservativen Zeitung «Kathimerini» bestätigt, wonach die Griechen seit November 2014 insgesamt schon rund 20 Milliarden Euro abgehoben haben. Grund sei die Angst der Menschen vor einer schlagartigen Verschlechterung der Finanzlage wegen der Unstimmigkeiten zwischen Athen und der EU über den Abbau des griechischen Schuldenberges. Etwa zehn Milliarden Euro seien in «Truhen, Safes oder unter den Matratzen» in den Häusern versteckt, heisst es in dem Bericht. Weitere sechs Milliarden Euro seien in ausländische Wertpapiere investiert worden. Und rund vier Milliarden Euro lägen inzwischen auf Konten im Ausland, schrieb «Kathimerini».

Banken können Schuldenschnitt nicht verkraften

Für den Wirtschaftsweisen Volker Wieland tritt der Ernstfall dann ein, wenn Griechenland erklärt, seine Schulden nicht mehr zu bedienen. «Wenn der griechische Staat sagt, wir werden das Versprechen, dass ein bestimmter geliehener Betrag komplett zurückgezahlt wird, nicht einhalten, dann sind die griechischen Banken insolvent. Dann kann man nicht über Monate ELA geben», sagt der Ökonom im Gespräch mit Reuters. Die Banken könnten bei einem Schuldenschnitt die Verluste nicht verkraften. Knackpunkt wird Wieland zu Folge sein, wie oft ELA noch genehmigt wird.

Die EZB hatte am Donnerstag den ELA-Hilfsrahmen für die Athener Notenbank auf nunmehr rund 65 Milliarden Euro erweitert - das sind fünf Milliarden Euro mehr als bislang. Die Hilfen wurden nach Angaben von Vertretern der griechischen Notenbank bis Mittwoch verlängert - dann tagt in Frankfurt der EZB-Rat. Er kann die Notfall-Hilfen einschränken oder kippen, wenn zwei Drittel der Gremiumsmitglieder das verlangen. Die Geduld einiger Vertreter im Rat mit der neuen Regierung in Griechenland scheint nicht unendlich zu sein. EZB-Direktor Peter Praet hatte unlängst bereits deutlich gemacht, dass ELA-Nothilfen nur für einen «sehr kurzfristigen Bedarf» gedacht sind. Bundesbank-Chef Jens Weidmann hatte gefordert, bei ELA strenge Massstäbe anzulegen.

ELA-Hilfen als Anssatz für Kompromiss

Nach Ansicht von Wieland könnten ELA-Hilfen aber auch ein Ansatzpunkt sein, um die griechische Regierung bei ihrer Abkehr vom Sparkurs zu einem Kompromiss zu bewegen. «Das wäre ein Weg, um Griechenland schnell zu einer Einigung zu bringen», schätzt der Experte, der zum Wirtschaftsberatergremium der Bundesregierung gehört. Schon einmal war diese Vorgehensweise erfolgreich: Im März 2013 hatte die EZB Zypern ein Ultimatum gestellt. Sollte das Land nicht binnen Tagen zu einer Vereinbarung mit den Geldgebern kommen, würden die Banken nicht mehr mit Notfall-Liquidität versorgt. Damals sorgte die Ankündigung dafür, dass die Regierung internationalen Geldgebern weitreichende Zugeständnisse machte.

Bei Griechenland sieht es noch nicht danach aus, als sei die europäische Krisendiplomatie an ihr Ende gekommen. Ein Sprecher der Athener Regierung versicherte, diese werde alles tun, um beim Euro-Finanzministertreffen am Montag ein Abkommen zu erzielen. Allerdings schränkte er im Sender Skai TV sogleich ein, dass auch wenn das nicht klappe, immer noch Zeit sei, so dass es kein Problem geben werde. Die Zeit wird dennoch langsam knapp - denn die Parlamente in Deutschland und einigen anderen Euro-Ländern müssten einem neuen Hilfsprogramm zustimmen.

(awp/sda/dpa/reuters/dbe)

 

 

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