Griechenlands rezessionsgeplagte Wirtschaft zeigt dank des starken Tourismus weitere Anzeichen einer Stabilisierung. Das mit internationalen Hilfsgeldern gestützte Land erzielte im vergangenen Jahr schätzungsweise den ersten Überschuss in der Leistungsbilanz seit der Einführung des Euro vor mehr als zehn Jahren.

In den ersten elf Monaten stand unter dem Strich ein Plus von 1,46 Milliarden Euro, wie veröffentlichte Daten der Notenbank zeigen. Die Leistungsbilanz umfasst den Austausch von Gütern und Dienstleistungen sowie laufende Finanzübertragungen.

Der Exporterfolg Griechenlands steht im krassen Gegensatz zu der Kritik, die viele Beobachter in der seit Anfang 2010 anhaltenden Euro-Krise oft geäussert hatten. Weil viele Skeptiker am Reformwillen der Griechen zweifelten, wurde vor allem in Deutschland – aber auch in anderen europäischen Nordländern – immer wieder der Austritt des Landes aus dem Euro-Raum gefordert. Inzwischen zeigt sich indes, dass die Reformen in dem südeuropäischen Land allmählich Früchte tragen – allerdings auf Kosten einer rasant gestiegenen Arbeitslosigkeit. 

Fremdenverkehr boomt

Hinter der positiven Entwicklung steht vor allem der boomende Fremdenverkehr. Bis Ende November brachten Urlauber Einnahmen von 10,83 Milliarden Euro. Das waren 15 Prozent mehr als vor Jahresfrist und auch bereits spürbar mehr als die Regierung für das Gesamtjahr angestrebt hatte. Die griechische Tourismuswirtschaft hat im Kampf gegen die Krise die Preise herabgesetzt und ihre Angebote erweitert. Zugute kommen ihr auch die Unruhen in Nordafrika, die viele von Reisen dorthin abhalten.

Im Jahr 2008 – deutlich vor Ausbruch der Schuldenkrise – verbuchte Griechenland noch ein gewaltiges Leistungsbilanz-Defizit von 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Für das abgelaufene Jahr hatte der zu den Geldgebern zählende Internationale Währungsfonds (IWF) einen Fehlbetrag von 0,8 Prozent vorausgesagt. 2014 werde die Bilanz sich weiter festigen, sagte Nikos Magginas von der National Bank voraus. «Der Tourismus steht erneut vor einem guten Jahr, und die wirtschaftliche Erholung dürfte bedeuten, dass sich der Rückgang der Importe verlangsamt.» Die Regierung erwartet ein leichtes Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent nach sechs Jahren der Rezession, in denen das BIP um insgesamt ein Viertel schrumpfte.

Auch bei der Haushaltskonsolidierung kommt Griechenland voran: Bereits Ende des Jahres will sich das Land den Euro-Rettungsschirm verlassen und an den Finanzmärkten refinanzieren. Die Grundlage dafür sei, dass Griechenland 2013 einen primären Finanzüberschuss – also ein Haushaltsplus ohne Zinsen – erreicht habe.

Deutschlands Finanzminister: «Mehr Fortschritte gemacht»

Selbst der sonst so kritische Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble äusserte sich auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos heute anerkennend zu den Reformbemühungen Griechenlands. Das Land sei zwar noch nicht über den Berg. «Es hat aber mehr Fortschritte gemacht als alle, die sich mit Griechenland beschäftigen, vor zwei Jahren für möglich gehalten haben», sagte Schäuble.

(reuters/moh/vst)

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