Hier eine kaum bekannte Tatsache: Griechenlands Zentralbank ist an der Börse notiert und entwickelt sich dort besser als ihre Rivalen.

Mit einem Kursgewinn von 6,6 Prozent seit Beginn des Jahres konnte sich die griechische Notenbank dem Trend am Aktienmarkt entziehen, der fast 19 Milliarden Dollar an Wert einbüsste. Das Land hat noch immer mit einer Bankenkrise zu kämpfen. Die Zentralbank kommt auf einen Wert von etwa 194 Millionen Euro und hat rund 19'000 Aktionäre; der Staat kontrolliert etwa 8,9 Prozent.

Solides Abschneiden

«Glauben Sie es oder nicht, die Bank of Greece ist eine der solidesten und zuverlässigsten Aktien an der griechischen Börse», sagt Stavros Kallinos, Chef-Vermögensverwalter bei Guardian Trust in Athen. «Die Krisenphase mal ausgenommen, war Bank of Greece schon immer ein sicherer Weg an den griechischen Aktienmarkt. Es gibt nicht viele Aktien an der Börse Athen mit solch einer hohen Dividendenrendite. Die Anleger sind vor allem langfristig orientierte griechische Staatsbürger.»

Die Zentralbank Griechenlands gehört zu einer Handvoll Notenbanken, die an den globalen Börsen gehandelt werden. Überraschend ist, dass sie sich besser schlägt als die anderen aus der Schweiz, Japan und Belgien - obgleich der Leitindex ASE in diesem Jahr um zwölf Prozent eingebrochen ist.

Tiefststand im August

Die Aktien der griechischen Notenbank haben sich seit August um 28 Prozent erholt. In dem Monat hatten die Anteile auf dem niedrigsten Kurs seit mindestens 1992 notiert, nachdem der Markt nach einer fünfwöchigen Schliessung wieder eröffnet hatte. Damit schlugen die Zentralbank-Anteile die Börse Athen, die um 8,9 Prozent zulegte.

Nachdem das Vertrauen in das Land allmählich wieder zurückkehrt, sind die Einlagen bei den Finanzhäusern den zweiten Monat in Folge gestiegen. Ausserdem wird das im Oktober anstehende Ergebnis des Banken-Stresstests einen geringeren Kapitalbedarf als erwartet aufzeigen, sagte ein Vertreter der griechischen Notenbank, der anonym bleiben wollte.

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Tauchgang seit 2006

Die Titel der griechischen Zentralbank, die 1927 gegründet und drei Jahre später an der Börse Athen notiert wurde, haben von ihrem Hoch im Jahr 2006 aus 90 Prozent verloren. Trotzdem ist ihre Dividendenrendite mit 6,9 Prozent etwa drei Mal so hoch wie beim ASE. Das ist beinahe so hoch wie die Rendite zweijähriger Staatsanleihen des Landes. Der Spread zwischen ihnen hat sich seit dem Sommer angenähert, als Spekulationen um einen Austritt des Landes aus dem Euroraum verstummten.

Die Zentralbank erzielt Einkünfte aus den von ihr gehaltenen Vermögenswerten, wie etwa Gold und europäischen Staatsanleihen, sowie aus ihren Ausleihungen an die Kreditinstitute. Der Gewinn fiel 2014 um 21 Prozent auf 655 Millionen Euro, wie aus ihrem Jahresbericht hervorgeht. Auch wenn die Aktien der griechischen Notenbank illiquide sind - durchschnittlich wurden in diesem Jahr etwa 5200 Aktien am Tag umgesetzt -, ist das Volumen doch weitaus höher als bei anderen Zentralbanken.

Eine Zeitbombe?

«Ich weiss nicht, ob die griechische Zentralbank eine Zeitbombe ist, doch wenn Griechenland im Euro bleibt, dann wird sie immer ein legitimes Langzeitinvestment bleiben», erklärt Kallinos von Guardian Trust. Die Schweizerische Nationalbank befindet sich zu 60 Prozent im Besitz der Kantone, regionaler Banken und öffentlicher Institutionen; die übrigen 40 Prozent der Aktien werden von Privatpersonen gehalten. Ihre Dividende ist auf höchstens sechs Prozent des Aktienkapitals begrenzt.

Die Belgische Nationalbank gehört seit 1948 zur Hälfte dem Staat und schüttet ebenfalls eine Dividende aus. Japans Zentralbank, der grösste Verlierer der vier in diesem Jahr, ist an der Jasdaq-Wertpapierbörse in Tokio notiert. Das Finanzministerium des Landes verfügt über eine Beteiligung von 55 Prozent, und die meisten Privatanleger sind unterrichteten Kreisen zufolge wohlhabende Investoren, die die Aktien der japanischen Notenbank als Trophäen betrachten.

Historische Gründe für Börennotierung

Sind Zentralbanken eine gute Kapitalanlage? Für die meisten kommt das Halten von Aktien mit Obergrenzen bei den Dividenden und nicht nennenswerten Stimmrechten lediglich dem Besitz einer sehr illiquiden Anleihe gleich.

Alexander Kyrtsis von der Bank UBS lehnt das Konzept jedenfalls ab. «Zentralbanken sollten nicht börsennotiert sein», sagt der UBS-Bankspezialist in London. «Die schiere Vorstellung, dass ein Privatinvestor auch nur einen Bruchteil einer Zentralbank besitzen kann, widerstrebt auf vielen Ebenen. Aber es gibt historische Gründe dafür -- im Fall der Zentralbank Griechenlands war das, die Börse Athen mit Marktkapitalisierung zu unterstützen, als sie das erste Mal eröffnete.»

(Bloomberg/mbü)