Griechenlands vier grösste Banken benötigen nach einer EZB-Analyse dringend Milliardenbeträge, um eine erneute Krise zu überstehen. Nach dem umfassenden Stresstest und Bilanzcheck bräuchten die Geldhäuser zusammen bis zu 14,4 Milliarden Euro, sollte sich die Wirtschaftsentwicklung des Landes erheblich verschlechtern, erklärte die Europäische Zentralbank am Samstag.

Selbst bei unveränderten Rahmenbedingungen liege die Kapitallücke der National Bank of Greece, der Piraeus Bank, der Alpha Bank und der Eurobank zusammengenommen noch bei 4,4 Milliarden Euro.

EZB will bis Freitag Antworten

Die Institute müssen den EZB-Bankenaufsehern bis Freitag, mitteilen, wie sie die Lücken schliessen wollen. Die Geldhäuser leiden unter der Wirtschaftskrise in dem hoch verschuldeten Land, in deren Folge viele Kredite platzten. Bürger hatten zudem seit Jahresbeginn ihre Konten geleert. Viele waren in Sorge, das Land könnte aus dem Euro ausscheiden. Griechenland beschränkte dann im Sommer den Kapitalverkehr, um einen Ansturm zu verhindern.

Die Euro-Staaten hatten im August im Zuge des dritten Hilfspakets Finanzspritzen für die Banken bis zu 25 Milliarden Euro zugesagt. Damit das Geld ausgezahlt werden kann, muss die griechische Regierung Reformen umsetzen. Am Freitag brachte sie dafür ein Gesetzespaket zur Rekapitalisierung der Banken auf den Weg, über das am Samstag im Parlament abgestimmt werden soll.

Mehr faule Kredite

Den grössten Kapitalbedarf ermittelte die EZB bei Piraeus Bank: Sie benötigt 4,93 Milliarden Euro. Bei der National Bank of Greece sind es demnach 4,6 Milliarden, bei der Alpha Bank 2,74 Milliarden und bei der Eurobank 2,12 Milliarden Euro.

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Bei dem Gesundheitscheck kam zudem heraus, dass sich die Summe fauler Kredite bei den Banken um sieben Milliarden auf 107 Milliarden Euro erhöht hat. Insgesamt ist fast die Hälfte aller Darlehen in Gefahr. Bei Piraeus-Bank sind es gar fast 57 Prozent.

Niederiger als befürchtet

Die EZB-Bankenaufsicht erwartet, dass die Ausstattung der Institute mit Kapital bis zum Jahresende abgeschlossen ist. Dabei sollen private Investoren in grossem Umfang beteiligt werden. In einer ersten Reaktion erklärte die Eurobank, man werde versuchen, den Anteil privater Gelder so gross wie möglich zu gestalten.

Die deutsche Regierung äusserte sich über die Ergebnisse der Prüfung erfreut. «Es ist gut, dass wir nun den genauen Kapitalbedarf der griechischen Banken kennen», sagte Finanzstaatssekretär Jens Spahn. «Er liegt deutlich niedriger als befürchtet.» Wenn es gelinge, private Investoren zu finden, sinke der Bedarf weiter.

(reuters/mbü)