Spekulationen auf eine zügige Zinswende in Grossbritannien haben am Dienstag neue Nahrung erhalten. Nach Zahlen des britischen Statistikamts ONS legten die Inflation auf Verbraucherebene wie auch die Häuserpreise zuletzt spürbar zu. Die Reaktionen an den Finanzmärkten waren deutlich: Das Pfund stieg zu Dollar und Euro kräftig, am britischen Anleihemarkt erhöhten sich die Renditen merklich. Eine von der Notenbank in Aussicht gestellte erste Zinsanhebung nach der Krise scheint damit immer näher zu rücken.

Die Verbraucherpreise erhöhten sich im Juni zum Vorjahresmonat um 1,9 Prozent, wie das ONS mitteilte. Damit lag die Rate 0,4 Punkte höher als im Mai. Bankvolkswirte hatten mit einer Rate von lediglich 1,6 Prozent gerechnet. Unterdessen setzte sich der starke Anstieg der Hauspreise fort. Die Preise für Immobilien stiegen im Mai zum Vorjahresmonat um 10,5 Prozent, wie die Statistiker weiter bekanntgaben. Das ist der stärkste Zuwachs seit Juni 2010, also seit knapp vier Jahren.

Preisschübe deuten auf raschere Zinswende hin

Marktteilnehmer werteten die Preisschübe offenbar als Zeichen, dass die von der Bank of England avisierte Zinswende rascher als gedacht kommen könnte. Einige Beobachter halten eine erste Zinsanhebung nach der Finanzkrise noch in diesem Jahr für möglich, eine Mehrheit erwartet einen Zinsschritt im ersten Halbjahr 2015. Notenbankchef Mark Carney hatte Mitte Juni in einer vielbeachteten Rede eine raschere Zinwende angedeutet. Im Nachgang sorgte er aber für Verwirrung, weil er zurückzurudern schien.

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Der boomende Häusermarkt stellt in den Augen Carneys das grösste Risiko für die britische Wirtschaft dar. Die Zentralbank hat bereits gegengesteuert und einige Massnahmen ergriffen, um die Vergabe besonders riskanter Kredite zu drosseln. Beobachter werteten die Schritte jedoch als sachte Eingriffe. Carney hatte jüngst klargestellt, dass Zinserhöhungen nur das letzte Mittel gegen Übertreibungen an den Vermögensmärkten seien. Wie auch andere Notenbanker bevorzugt er regulatorische und aufsichtsrechtliche Massnahmen. Diese Position gilt nicht als unumstritten.

(awp/me/sim)