Nach Jahren der Debatte über die Frage von «too-big-to-fail» hat die schwedische Bankenbranche bewiesen, dass gross immer noch schön ist, wenn die Zinsen unter null sinken. Die Ergebnisse für das zweite Quartal zeigten alle, dass diejenigen Banken, die am grössten sind und über diversifizierte Ertragsquellen verfügen, am widerstandsfähigsten gegenüber negativen Zinsen sind.

Nordea Bank AB, Skandinaviens grösster Finanzkonzern, steht nach Berechnungen von Bloomberg Intelligence vor Kosten aus negativen Zinsen, die sich auf 3,7 Prozent der für 2015 geschätzten Nettozinserträge belaufen. Das ist ungefähr die Hälfte der Kosten, die Swedbank AB, zu erwarten hat, Schwedens grösste Hypothekenkreditbank.

1,4 Milliarden Kronen im Quartal

Die Berechnungen zeigen, wie es sich auf die schwedischen Banken ausgewirkt hat, dass sie Verluste aus den negativen Zinsen getragen haben, statt sie auf die privaten Kunden über zu wälzen. Es kostet die Banken mehr als 1,4 Milliarden Kronen (149 Millionen Euro) je Quartal. «Als Gruppe gesehen, leiden die Banken mit höheren Erträgen eindeutig vergleichsweise weniger», sagte Jonathan Tyce, Analyst bei Bloomberg Intelligence in London.

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Während sich andere Banken zurückziehen, sagte Frank Vang-Jensen, Chef der Svenska Handelsbanken AB am Dienstag, dass eine Expansion und die bestehenden Aktivitäten in anderen nordischen Ländern sowie Grossbritannien und den Niederlanden dazu beitragen werden, die Auswirkungen der negativen Zinsen wettzumachen. «Diversifizierung hilft», sagte Karl Morris, Analyst bei Keefe, Bruyette & Woods Ltd. in London. «Wenn sich die Zinsen normalisieren, dann ist es umgekehrt.»

Aussicht auf steigende Zinsen in weiter Ferne

Die schwedischen Zinsen sind im Februar negativ geworden, inzwischen hat die Riksbank ihren Leitzins auf minus 0,35 Prozent gesenkt. Mit einer Inflation, die weit unter dem Ziel der Zentralbank von zwei Prozent liegt - die Verbraucherpreise sind im Juni auf Jahresbasis um 0,4 Prozent gesunken - liegt die Aussicht auf steigende Zinsen in weiter Ferne.

«Die Riksbank beobachtet die Liquidität und das Verhältnis von Aktiva zu Verbindlichkeiten weiterhin genau», aber die Banken werden von der Geldpolitik wahrscheinlich kaum Erlösung erwarten können, sagte Tyce. «Entweder sie tragen es mit Fassung und bleiben bei ihren Wachstumsplänen, verlangsamen ihr Wachstum, oder sie diversifizieren und bieten neue Produkte an.»

(bloomberg/gku)