Spekulationen über eine nahende Zinswende in den USA erhalten neue Nahrung: Positive Nachrichten vom Arbeitsmarkt und ein Anstieg der Kernrate bei den Verbraucherpreisen öffnen Experten zufolge die Tür für eine Anhebung noch in diesem Jahr. In der abgelaufenen Wochen stellten nur noch 255'000 Amerikaner einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe - so wenige wie seit 42 Jahren nicht mehr, erklärte das Arbeitsministerium am Donnerstag.

Waren und Dienstleistungen kosteten im September im Schnitt genauso viel wie ein Jahr zuvor, weil billigeres Benzin den Anstieg bei Lebensmittelpreisen ausglich. Die sogenannte Kerninflationsrate - die die häufig stark schwankenden Preise für Energie und Nahrungsmittel ausklammert - stieg dagegen auf 1,9 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr.

«Kerninflation liefert Falken Argumente»

«Die Inflation bleibt sehr gering, aber die Kernteuerung legt unerwartet deutlich zu», sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. «Die Erwartung einer Zinswende der Notenbank Fed wird dadurch wiederbelebt.» Ähnlich äusserte sich Ökonomin Jennifer Lee vom Finanzhaus BMO Capital Markets: «Die Kerninflation liefert den Falken Argumente.» Als Falken werden Notenbanker bezeichnet, die vorrangig die Inflation bekämpfen wollen und zu höheren Zinsen neigen.

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Der Dollar wertete nach Bekanntgabe der Daten auf, der Euro verbilligte sich auf 1,1403 Dollar von zuvor 1,1440. Höhere Zinsen machen die US-Währung für Anleger attraktiver. Einige Experten rechnen mit einem ersten Schritt noch in diesem Jahr, andere erwarten dies bislang erst für Anfang 2016. Die Währungshüter wollen vor einer Zinswende einigermassen sicher sein, dass sich die Inflation mittelfristig auf die angestrebte Marke zubewegt und die Belebung am Arbeitsmarkt von Dauer ist.

(reuters/dbe/ama)