In der Schweizer Wirtschaft zeigen sich noch keine Auswirkungen der EU-Sanktionen gegen Russland. Eine leichte Steigerung der Exportzahlen in den Monaten Juli und August darf laut Handel Schweiz nicht als Umgehungsgeschäfte interpretiert werden. Es handle sich um eine generelle Entwicklung.

Handel Schweiz bedaure, dass das Freihandelsabkommen mit Russland aus politischen Gründen auf Eis gelegt ist, sagte Direktor Kaspar Engeli am Dienstag vor den Medien. Handel-Schweiz-Präsident Jean-Marc Probst zeigte sich überzeugt, dass ein verstärkter Handel zwischen Russland und der Schweiz «ein Türöffner für friedensfördernde Gespräche» sein könnte.

Schweiz soll neutraler Partner Russlands bleiben

«Sanktionen gegen ein Volk wie die Russen, das seit Jahrzehnten Entbehrungen gewöhnt ist, haben überhaupt keinen Effekt», sagte Probst weiter. Sie stärkten den Zusammenhalt und würden Putin «letztlich nützen».

Er persönlich sei auch der Ansicht, dass die Ukraine und die Türkei nicht zur EU gehörten, sagte Probst. Ihre Integration bedeute «ein sehr grosses geopolitisches Risiko». Er empfehle der Schweiz, «neutraler Partner von Russland zu bleiben».

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Zufriedene Unternehmer in der Schweiz

Eine kürzlich veröffentlichte Umfrage des Beratungsunternehmens Ernst & Young hat ebenfalls nachgewiesen, dass die Schweiz noch kaum unter den Sanktionen und der Ukraine-Krise leidet. In Deutschland spüren dahingegen fünf Prozent der KMU erhebliche Auswirkungen der Ukraine-Krise und 12 Prozent geringe Auswirkungen.

Dass die Krise dem grössten Schweizer Handelspartner kräftiger zusetzt, wird auch die Schweiz indirekt zu spüren bekommen. Nach Ansicht der Fachleute von Bak Basel müssen sich Schweizer Exportfirmen und Industrie auf einen harten Winter gefasst machen. «Bei den Exporten erwarten wir im Winterhalbjahr ein Zwischentief», sagte Bak-Konjunkturexperte Alexis Bill-Körber heute bei der Vorstellung der Herbstprognose in Basel.

(sda/ise)