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Freihandel
Handel mit China ist schon vor Abkommen explodiert

Gute Handelspartner: Die kleine Schweiz und das grosse China.  Keystone

Am 1. Juli tritt das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China in Kraft. Doch der Handel zwischen den beiden Ländern ist bereits in den letzten Jahren kometenhaft angestiegen.

Veröffentlicht am 30.06.2014

Das Freihandelsabkommen mit China eröffnet der Schweizer Wirtschaft einen Markt von über 1,3 Milliarden Menschen. Vor allem die Uhrenindustrie erhofft sich neuen Schwung vom Abkommen, das (morgen) Dienstag in Kraft tritt. Bereits in den vergangenen Jahren stieg der Handel mit China kometenhaft an.

Während die Importe aus China zwischen 2000 und 2013 um das Fünffache wuchsen, vervielfachten sich die Exporte aus der Schweiz sogar um das Sechsfache, wie die Eidg. Zollverwaltung (EZV) am Montag mitteilte. Im letzten Jahr importierte die Schweiz Güter im Wert von 11,4 Mrd. Franken. Nach China exportiert wurden Waren im Umfang von 8,8 Mrd. Franken. Somit resultierte in der Handelsbilanz ein Defizit von 2,7 Mrd. Franken.

Pharma und Chemie profitieren am meisten

Dank des rasanten Handelswachstums wurde China in den letzten Jahren für die Schweizer Wirtschaft immer wichtiger. 1980 lag China noch auf dem Rang 39 der wichtigsten Abnehmer. Heute ist China der sechstwichtigste Exportmarkt und der viertgrösste Lieferant der Schweiz.

Am meisten exportierte 2013 die Pharma- und Chemieindustrie. Diese Branche hielt 29 Prozent der gesamten Exporte nach China. Knapp dahinter folgte mit 28 Prozent die Sparte Präzisionsinstrumente, Uhren und Bijouterie. China sei der drittwichtigste Abnehmer von Schweizer Uhren, teilte die Zollverwaltung mit.

Import: Elektronik statt Kleider

Die Maschinen- und Elektronikbranche war mit 26 Prozent die drittwichtigste Exportbranche. 1990 hatte diese Branche noch über drei Viertel aller Ausfuhren gestellt. Das Volumen war damals allerdings mit 302 Mio. Fr. im Vergleich zu den letztjährigen 2,3 Mrd. Fr. wesentlich kleiner.

Im Jahr 1990 importierte die Schweiz wiederum insbesondere Kleider, Textilien und Schuhe. Bis 2013 sank der Anteil dieser Branche von 46 Prozent auf 18 Prozent. Dieser Rückgang ist jedoch nur relativ, denn inzwischen führt die Schweiz zehn Mal mehr Kleider, Textilien und Schuhe ein.

Den grössten Anteil an den Importen hat heute die Maschinen- und Elektronikbranche. 2013 betrug er 43 Prozent des Gesamthandels, wobei vor allem Computer und Handys importiert wurden.

Uhrenverband hegt grosse Erwartungen

Die Schweizer Exportwirtschaft erwartet viel vom Freihandelsabkommen. Mit dem Abbau von Zöllen könne die Exportwirtschaft in den kommenden 14 Jahren 5,8 Mrd. Fr. einsparen, sagte Daniel Küng, Chef der Aussenhandelsorganisation Switzerland Global Enterprise, der «NZZ am Sonntag».

Insbesondere für die Uhrenexporte, die wegen der Korruptionsbekämpfung der chinesischen Führung in den letzten zwei Jahren um ein Viertel zurückgingen, bietet das Abkommen Vorteile. Die Zollgebühren würden in einer ersten Phase um 18 Prozent gesenkt, sagte Jean-Daniel Pasche, der Präsident des Uhrenverbands FH, letzte Woche an der Generalversammlung in Martigny. Gestaffelt über zehn Jahre gingen die Zölle sogar um insgesamt 60 Prozent zurück.

Pasche sprach auch von Verbesserungen in Bezug auf Fälschungen. «Das Abkommen schafft mehr Rechtssicherheit», sagte er.

Nachverhandlungen sollen Verbesserungen bringen

Bei der Chemie- und Pharmaindustrie schliesst man sich in diesem Aspekt der Uhrenindustrie an. «Hier wurde gut verhandelt», sagte Marcel Sennhauser vom Branchenverband scienceindustries auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Insgesamt ist die Freude in der Pharmabranche aber verhalten. Zwar rechne man nach Ablauf der Übergangsfristen von Einsparungen von rund 100 Mio. Fr. pro Jahr, was rund 4 Prozent des letztjährigen Jahresumsatzes entspricht. Dennoch sagt Sennhauser: «Der Zollabbau geht uns zu wenig weit.»

Für viele chemische Basisprodukte gebe es weiterhin Zölle, da China Ausnahmen für sensible Produkte aushandelte. «Wir hoffen, dass spätere Nachverhandlungen Verbesserungen bringen», sagte Sennhauser.

(sda/gku)

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