Die Welt wird Ende dieser Woche eine bessere Vorstellung davon haben, ob sich der aus «weichen» Daten ersichtliche Boom der US-Wirtschaft auch in den «harten» Fakten niederschlägt. Eine definitive Antwort wird aber wahrscheinlich noch ausbleiben.

Nach dem Handelsbilanzsaldo und dem Auftragseingang für die Industrie gipfelt der US-Datenreigen in dieser Woche in dem monatlichen Arbeitsmarktbericht am Freitag. Von Bloomberg befragte Ökonomen erwarten, dass die US-Arbeitgeber im März 175'000 Stellen ausserhalb der Landwirtschaft geschaffen haben. Eine Umfrage des Institute for Supply Management am Montag hatte für das verarbeitenden Gewerbe im März ein weiterhin robustes Wachstumstempo aufgezeigt. Allerdings waren die am vorherigen Freitag veröffentlichten Konsumausgaben für Februar schwach ausgefallen, was darauf hindeutet, dass der grösste Teil der Wirtschaft einem breit basierten Wachstum im Wege stehen könnte - zumindest im ersten Quartal.

«Letztes Wort noch nicht gesprochen»

Die Kluft zwischen weichen Vertrauensdaten sowie anderen Umfragen, die den momentanen Optimismus und die Erwartungen für die Politik erfassen, und harten Konjunkturdaten wie den Konsumausgaben, die die tatsächliche Entwicklung darstellen, war dieses Jahr ein charakteristisches Merkmal der US-Wirtschaft. Herauszufinden, welche der Datensätze eine bessere Prognosekraft für die Wirtschaftsentwicklung in den nächsten Monaten besitzen, ist für die Entscheidungen von Unternehmen und Investoren in diesem Jahr von entscheidender Bedeutung.

«Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen», sagte Ryan Sweet, Ökonom von Moody’s Analytics in West Chester im US-Bundesstaat Pennsylvania. «Der grundlegende Zustand der Wirtschaft befindet sich irgendwo zwischen den harten Daten und den Umfragewerten. Ich glaube nicht, dass es der Wirtschaft so schlecht geht, wie die BIP-Daten für das erste Quartal wohl zeigen werden, und ich glaube nicht, dass sie so stark ist, wie es die Umfragen nahelegen.»

Die Federal Reserve Bank of New York, die sogenannte «weiche» Daten wie Umfragen unter Verbrauchern und Einkaufsmanagern im verarbeitenden Gewerbe in die Beobachtung des Wirtschaftswachstums einbezieht, rechnet mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts im ersten Jahresviertel von 2,9 Prozent. Die Atlanta Fed, die sich streng auf «harte» Daten wie die tatsächlichen Ausgaben und den Handel konzentriert, die auch in die traditionelle BIP-Berechnung einfliessen, kommt derweil nur auf ein Wachstum von 1,2 Prozent. Diesen Prognosen steht die Medianschätzung von 1,8 Prozent aus einer Umfrage von Bloomberg unter Analysten gegenüber.

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Jüngste Wirtschaftsumfragen haben zeigt, dass Konzernchefs, Hersteller und die Amerikaner der Zukunft sehr zuversichtlich entgegensehen. Das erklärt die rosigere Erwartung der New Yorker Fed. Viele der harten Konjunkturdaten sind schwach oder solide ausgefallen - waren aber keineswegs glänzend.

Ein weiterer «harter» Datenpunkt wurde am Montag veröffentlicht: die US-Bauausgaben stiegen im Februar mit 0,8 Prozent schwächer als der erwartete Zuwachs von einem Prozent. Der am Dienstag veröffentlichte Auftragseingang für die Industrie im Februar fiel derweil im Rahmen der Erwartungen aus. Zu den «weichen» Daten, die in dieser Woche noch veröffentlicht werden, zählen der ISM-Index für das nicht-verarbeitende Gewerbe im März und der wöchentliche Bloomberg Consumer Comfort Index.

Verbrauchervertrauen

Vergangene Woche teilte das Conference Board mit, dass sein Index für das Verbrauchervertrauen im März ein 16-Jahres-Hoch erreicht hat. Damit übertraf der Indexanstieg die Erwartungen aller Ökonomen aus einer Bloomberg-Umfrage. Die Stimmungsaufhellung geht zwar mit steigenden Kursen am Aktienmarkt und einer Lagebesserung am Arbeitsmarkt einher, steht aber auch im Zusammenhang mit den Erwartungen an eine konjunkturfördernde Politik, wie beispielsweise Steuersenkungen.

Der Februar-Bericht zu den persönlichen Ausgaben ergab lediglich einen Anstieg um 0,1 Prozent nach 0,2 Prozent im Vormonat. Doch der enttäuschende Jahresauftakt bei den Ausgaben der Amerikaner dürfte sich im weiteren Jahresverlauf 2017 wohl nicht fortsetzen. Dafür sprechen ein schnelleres Einkommenswachstum, die stärkere Zuversicht und der robuste Arbeitsmarkt.

«Jeder Datenpunkt vermittelt etwas mehr Informationen», sagte Jesse Edgerton, Ökonom von JPMorgan Chase in New York. Doch «bislang gibt es kaum Anzeichen für ein Zusammenlaufen».

(bloomberg/chb)