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Hoffnung im Osten: Exporte nach Russland ziehen an

Moskau: Russland ist zurück auf der Exportlandkarte. Keystone

Seit der Krim-Krise sinken die Schweizer Ausfuhren nach Russland. Die ersten Monate des aktuellen Jahres bringen aber eine Kehrtwende.

Veröffentlicht am 19.06.2017

Die Sanktionen gegen Russland haben der Schweizer Exportwirtschaft stark zugesetzt. Seit Jahresbeginn zogen die Ausfuhren nach Russland aber wieder deutlich an. Laut Präsident Wladimir Putin hat Russland weniger unter den Sanktionen gelitten als die Exportländer.

Das Sanktionsregime dauert inzwischen mehr als drei Jahre. Der US-Senat plant nun eine Verschärfung, wie letzte Woche bekannt wurde. Die deutsche Regierung stemmt sich dagegen, weil sie neue negative Auswirkungen auf die Exportunternehmen befürchtet.

Loch bei den Exporten

Wegen Russlands Gebaren auf der zur Ukraine gehörenden Halbinsel Krim hatten die USA und die EU im Frühling 2014 Sanktionen gegen Russland beschlossen. Die Schweiz wendete diese nicht an, hatte jedoch Massnahmen ergriffen, die verhindern sollen, dass die Sanktionen über die Schweiz umgangen werden.

Die Exporte von Schweizer Unternehmen nach Russland brachen 2015 gegenüber dem Vorjahr um 21 Prozent auf 2,3 Milliarden Franken ein. Letztes Jahr resultierte ein Minus von 12 Prozent.

Metallindustrie leidet

Das schlug sich auch in der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) nieder. Exportierte sie 2014 noch Waren im Wert von 914 Millionen Franken, waren es letztes Jahr noch 590 Millionen Franken. Die MEM-Industrie sei zwar nicht direkt von den Sanktionen der EU betroffen, sagt Ivo Zimmermann, Sprecher des Branchenverbands Swissmem. Doch die Massnahmen, die der Bundesrat beschlossen habe, trügen zu diesem Rückgang der Exporte bei.

Als Hauptgründe für den Exportrückgang nennt Zimmermann «eindeutig» den tiefen Erdölpreis und den schwachen Rubel. Sie hätten die russischen Staatseinnahmen und in der Folge die Investitionstätigkeit – insbesondere der staatsnahen Konzerne – substanziell reduziert.

Exporte von Erdöleinnahmen beflügelt

Seit Jahresbeginn hat sich das Blatt gewendet. Im ersten Quartal stiegen die Russland-Exporte der Swissmem-Industrie um 30 Prozent. Die Wirtschaftslage in Russland helle sich langsam wieder auf, sagt Zimmermann. Der gestiegene Erdölpreis dürfte zu dieser Entwicklung beitragen.

Offenbar steht es besser um die Staatseinnahmen in Russland. Die MEM-Industrie exportiere vor allem Investitionsgüter nach Russland, die hauptsächlich staatlich finanziert würden, so Zimmermann. Allerdings betont er gegenüber der Nachrichtenagentur sda, dass der Zuwachs von einem sehr tiefen Niveau aus erfolge. Es sei noch etwas früh, um von einer Trendwende zu sprechen.

Exporte ziehen wieder an

Über alle Wirtschaftssparten erhöhten sich die Exporte der Schweizer Unternehmen nach Russland im ersten Quartal 2017 um 25 Prozent. Die Gesamtausfuhren der Schweiz stiegen in den ersten drei Monaten um knapp 7 Prozent. Im April war der Aussenhandel allerdings in allen Bereichen wieder rückläufig. Ob der Aufschwung bei den Exporten nach Russland anhält, wird sich aus den am Donnerstag publizierten Aussenhandelszahlen für den Monat Mai ableiten lassen.

Klar ist, die Aufhellung in Russland hat nicht nur Schweizer Firmen genützt. Seit Jahresbeginn legten auch die Russland-Exporte der USA und Deutschlands deutlich zu.

Hoffnungen der Käser zerschlagen

Die Hoffnungen, dass die Schweizer Käsebranche von den Gegensanktionen Russlands besonders profitieren könnte, hatten sich schnell zerschlagen. Im ersten Sanktionsjahr 2014 verdoppelten sich zwar die Käseexporte. Die Branche war sehr optimistisch, dass die Russen mehr Schweizer Agrarprodukte kaufen würden, weil Russland jene der EU sanktionierte.

Doch seither seien die Exporte nach Russland zurückgegangen, sagt Manuela Sonderegger von Switzerland Cheese Marketing. Schweizer Käser profitierten nicht direkt von den EU-Sanktionen, weil ihre Käse in einem höheren Preissegment angesiedelt seien als die Produkte der europäischen Konkurrenz. Im Gegenteil, dadurch, dass die «günstigeren» europäischen Produkte in Europa blieben, habe sich der Preisdruck innerhalb der EU zusätzlich verstärkt, erklärt Sonderegger. Dies treffe die Schweizer, weil die Produkte auch in EU im oberen Preissegment angesiedelt seien.

Emmentaler hoch im Kurs

Dennoch wittern auch die Käseproduzenten im Russlandexport seit Jahresbeginn Morgenluft. Die ersten vier Monate stiegen die Ausfuhren im Vergleich zur Vorjahresperiode zweistellig. Am liebsten kaufen die Russen Emmentaler, Le Gruyère sowie Appenzeller.

Aus Sicht des russischen Präsidenten leidet Russland weniger unter den Sanktionen als diejenigen, die sie verhängt haben. Russland habe wegen den Sanktionen 50 bis 52 Milliarden Dollar eingebüsst. In einer Rede bezifferte Wladimir Putins letzte Woche die Verluste auf der Gegenseite auf zwar 100 Milliarden Dollar.

(sda/ise/mbü)

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