Der Chef der Niederländischen Notenbank, Klaas Knot, hat sich dafür ausgesprochen, bei einem grossangelegten Anleihekauf-Programm durch die EZB die Risiken bei den einzelnen Ländern zu belassen. «Würde jede Notenbank nur die Papiere des eigenen Staates erwerben, wäre die Gefahr geringer, dass es zu einer unerwünschten Umverteilung von Finanzrisiken kommt», sagte Knot, der auch stimmberechtigtes Mitglied im EZB-Rat ist, dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» laut Vorabbericht vom Freitag.

«Wir müssen vermeiden, dass über die Hintertür der EZB-Bilanz Entscheidungen getroffen werden, die den demokratisch gewählten Politikern der Euroländer vorbehalten bleiben müssen.» Würde für die Anleihen nur das jeweilige Land haften, würde die EZB zeigen, dass es «ihr ausschliesslich um Geldpolitik und nicht um Finanzpolitik geht.»

Jens Weidmann den Rücken gestärkt

Es wird erwartet, dass die Europäische Zentralbank auf ihrer Ratsitzung am kommenden Donnerstag über ein gross angelegtes Anleihekauf-Programm entscheidet. Damit wollen die Währungshüter die Inflationserwartungen in der Euro-Zone nach oben treiben und fallenden Preisen auf breiter Front entgegen wirken. Die Verbraucherpreise in der Euro-Zone waren im Dezember um 0,2 Prozent gesunken; Ziel der EZB ist aber eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent.

Die Kritik des niederländischen Notenbankchefs zielt auf die gleichen Punkte, die auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann zuletzt immer wieder hervorhob. Auch er hatte davor gewarnt, im Zuge eines solchen Programms würden Risiken zwischen den Steuerzahlern der Währungsunion-Staaten ohne Einschaltung der nationalen Parlamente umverteilt. Es sei denn, die Käufe würden auf Länder mit höchster Bonität beschränkt oder jede Notenbank würde auf eigenes Risiko Anleihen des eigenen Landes erwerben, wie er im Dezmeber auf einer Veranstaltung in Frankfurt sagte.

(reuters/ise)

Anzeige