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Banken
Immer weniger Kredite für EU-Firmen

EU: Die Banken vergeben so wenige Kredite wie noch nie. (Bild: Keystone)

Noch nie haben die EU-Banken ihre Firmenkredite so stark zurückgefahren wie in diesem Moment. Eine bedenkliche Entwicklung, sagen Experten.

Veröffentlicht am 03.01.2014

Die Banken in der Euro-Zone haben ihre Firmenkredite so stark zurückgefahren wie noch nie. Trotz der rekordniedrigen Zinsen sackten die Darlehen im November um 3,9 Prozent zum Vorjahresmonat ab, wie die Europäische Zentralbank (EZB) mitteilte.

«Es geht immer weiter runter, das ist eine bedenkliche Entwicklung», sagte Chefökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. Er geht zwar nicht davon aus, dass die EZB kommende Woche am Leitzins dreht. In den nächsten Monaten dürften die Währungshüter ihre Geldpolitik aber weiter lockern, um der Wirtschaft in der Euro-Zone auf die Sprünge zu helfen.

Die EZB hatte im November den Leitzins überraschend auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt. Im Dezember kündigte EZB-Präsident Mario Draghi an, die Zentralbank sei zu weiterem Handeln bereit und verfüge über ein schlagkräftiges Arsenal an Möglichkeiten.

Ähnlich dürften sich die Währungshüter am Donnerstag nach ihrer Zinssitzung äussern, schätzt Krüger: «Die EZB wird weiter auf ihre Artillerie verweisen.» Denn die Euroländer kämpften sich nur mühsam aus der Rezession heraus. Die EZB hat zuletzt wiederholt betont, dass sie notfalls die Banken zur Kreditvergabe ermuntern könnte, indem sie eine Art Strafzins für das Parken von Geld erhebt.

«Ein selbsttragender Aufschwung würde von der Kreditseite unterstützt - genau das findet aber nicht statt», betonte Krüger. Die Banken verliehen im November 13 Mrd. Euro weniger an Firmen als im Vorjahresmonat.

In Italien schrumpften diese Darlehen in Rekordtempo - es ging um 5,9 Prozent bergab. In Spanien gab es sogar einen Rückgang um 13,5 Prozent. In der gesamten Euro-Zone schrumpften die Kredite an Firmen und Privathaushalte mit 2,3 Prozent stärker als erwartet.

Kreditklemme bleibt auf Agenda für 2014

KfW-Chefökonom Jörg Zeuner rechnet zunächst nicht mit Besserung: «Das europäische Wachstum dürfte vorerst zu schwach bleiben, um die Kreditmärkte deutlich wiederzubeleben.» Die Kreditklemme werde deshalb 2014 auf der Agenda der EZB und der europäischen Regierungen bleiben.

Bankhaus Lampe-Experte Krüger sieht vor allem die Politik am Zug, Reformen seien vor allem in Frankreich und Italien nötig. Die EZB habe nicht mehr allzu viel Spielraum, denn sie könne keine Strukturprobleme lösen. «Jetzt muss die Politik was tun, sonst hilft das alles nichts», warnte Krüger.

Deutlich zuversichtlicher gibt sich Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank. «Die Daten sind ein Zeichen, dass die Firmen in der Euro-Zone insgesamt in einer hervorragenden finanziellen Lage sind und Investitionen nichts im Wege steht.» Denn die Unternehmen könnten - dank ausreichendem Cash und finanzieller Zuflüsse - gleichzeitig Kredite zurückzahlen und Barreserven hochfahren.

«Die Firmen haben Geld und ihr Vertrauen in die Zukunft wächst», sagte Schmieding. «Das spricht dafür, dass sie ihr Geld auch wieder langfristig ausgeben.» Deutschland sei hier Vorreiter, andere Ländern dürften folgen.

(sda/chb)

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