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Aufschwung
Indien erwartet weltweit stärkstes Wachstum

Delhi
Strassenszene in Delhi: Indien soll 2018 stärker zulegen als alle anderen wichtigen Volkswirtschaften.Quelle: Keystone

Indien erwartet in diesem Jahr stärkeres Wachstum als China. Doch der Subkontinent hat noch viel aufzuholen.

Veröffentlicht am 29.01.2018

Indiens Wirtschaft wird im laufenden Jahr voraussichtlich etwas stärker wachsen als zuletzt. Wie die Regierung am Montag mitteilte, wird im Finanzjahr 2018/2019 (bis Ende März) ein Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 7,0 bis 7,5 Prozent erwartet.

Indien wäre dann unter den grossen Volkswirtschaften diejenige mit dem grössten Wachstum im laufenden Jahr. Der leitende Wirtschaftsberater des südasiatischen Landes, Arvind Subramanian, sprach von einem kräftigen und breit gestützten Aufschwung. Er warnte aber unter anderem vor Risiken wie steigenden Ölpreisen, steigenden Zinsen und einer höheren Inflation.

Siebtgrösste Volkswirtschaft schneller als China

Indien ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und ist nach Daten der Weltbank (Stand 2016) derzeit die siebtgrösste Volkswirtschaft der Welt. Im Jahr 2000 lag das rund 1,32 Milliarden Einwohner grosse Land noch auf Platz 14. Für das in Kürze endende Finanzjahr 2017/2018 wird ein Wachstum von 6,75 Prozent erwartet.

China wird sein Wachstumstempo dagegen dieses Jahr nach Ansicht eines führenden staatlichen Wirtschaftsplaners etwas verlangsamen. Es werde sich «ungefähr zwischen 6,5 und 6,8 Prozent» einpendeln, schreibt der Vize-Generalsekretär der Staatlichen Kommission für Entwicklung und Reform (NDRC), Fan Hengshan, in der Zeitung «Beijing Daily» vom Montag.

Voriges Jahr lag das Plus beim Bruttoinlandprodukt (BIP) bei 6,9 Prozent. 2016 hatte es nur zu 6,7 Prozent gereicht - der kleinste Zuwachs seit 26 Jahren.

Geringere Investitionen in China

Der frühere Chefökonom der chinesischen Notenbank (PBOC), Ma Jun, rechnet damit, dass das Wachstum dieses Jahr mit rund 6,5 Prozent noch etwas niedriger ausfallen könnte als 2016. Als Gründe für die Verlangsamung nennt er dem Finanznachrichtenportal Yicai zufolge unter anderem geringere Investitionen in die Infrastruktur des Riesenreichs und ein Abflauen des Baubooms.

Chinas Bankenaufseher wollen dieses Jahr auch das Problem der ausufernden Verschuldung im Firmensektor angehen. Es gehe um eine strikte Kontrolle von Darlehen an hoch verschuldete Unternehmen, wie die dafür zuständige Kommission CBRC jüngst mitteilte. Die Risiken im Bankensektor seien zwar im Grossen und Ganzen unter Kontrolle, doch sei die Lage "düster und kompliziert".

Der Schuldenberg des Privatsektors, insbesondere der Unternehmen, ist hoch. Die gesamte Schuldenlast der Volksrepublik liegt nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich bei 256 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Das gilt als Risiko für die Weltwirtschaft.

(sda/gku)

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