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Kommentar
Innovation: United Colors of Brain

Stefan Barmettler, Chefredaktor «Handelszeitung»

HouseTrip oder QualySense fungieren unter den erfolgreichsten Start-Ups der Schweiz. Nun erklärt Stefan Barmettler, weshalb das Land seine Anziehungskraft für Jungunternehmer nicht verlieren darf.

Von Stefan Barmettler
am 18.09.2013

Kennen Sie Junjun Chen? Oder Olga Mykhailova? Die eine ist eine junge Chinesin, die andere eine junge Russin. Junjun studierte in Lausanne und in Harvard, Olga in Kiew und in Zürich. Beiden gefällt es in der Schweiz, beide arbeiten hier. Mit einigem Erfolg. Beide spielen sie in der Schweizer Nationalmannschaft der innovativsten Jungunternehmer, wenn es diese denn gäbe.

Ihre Firmen, HouseTrip und QualySense, figurieren unter den heissesten Startups des Landes, wie eine hochkarätige Jury befunden hat und wie die «Handelszeitung» exklusiv berichtet. HouseTrip, gegründet in Lausanne, ist ein Webportal, welches 250 000 Ferienwohnungen und -häuser zur Vermietung anbietet. Bereits hat die Jungfirma über 4 Millionen Übernachtungen vermittelt und ist in Europa das grösste Portal – noch vor Airbnb und dem einstigen Pionier Abrital. Junjun Chen ist Finanzchefin im Unternehmen. 

QualySense, eine Zürcher Gründung, kann mit ihrem Highspeed-Scanner 50 Körner pro Sekunde analysieren und selektionieren. Olga Mykhailova ist Finanzchefin im Unternehmen. Die beiden Frauen stehen zuvorderst im Innovationspark Schweiz. Und sie stehen für einen erstaunlichen Trend. Es sind vorab risikobereite Ausländerinnen und Ausländer, die den Forschungs- und Pioniergeist befeuern. An der ETH Zürich beträgt der Ausländeranteil unter den Doktorierenden 67 Prozent, bei den Neu-Doktoranden liegt der Anteil gar noch höher, bei 71 Prozent. Der Ausländeranteil unter sämtlichen ETH-Studenten, so viel zum Vergleich, steht derzeit bei einem Drittel. 

Transfer der Talente muss
gewahrt bleiben 

Die Verteilung aus der Welt der Wissenschaft – Ausland vor Inland – widerspiegelt sich exakt in der Jungunternehmer-Szene: 75 Prozent der Gründer innovativer Hightech-Firmen haben ihre Wurzeln im Ausland. Analysieren wir die Gründer der heissesten Startups, der Top 10. Hier sind 21 Gründer am Werk. Ihr Hintergrund muss einem Werbespot aus «United Colors of Benetton» entsprungen sein. Unter den 21 Siegern sind 5 Schweizer, 5 Deutsche, 4 Franzosen, 2 Italiener, 1 Kanadier, 1 Luxemburger, 1 Iraner, 1 Russin (Olga), 1 Chinesin (Junjun). Der Ausländeranteil unter den Top 10 – 75 Prozent. 

So viel lässt sich aus den Zahlen ableiten:  Der Ausländeranteil unter den Bestausgebildeten ist signifikant, ihre hohe Risikobereitschaft ebenfalls, ihr Beitrag zur Volkswirtschaft respektabel. Das soll so bleiben. Deshalb ist ein offener Zugang zu unseren Hochschulen unerlässlich, zumal für die hellsten Köpfe. Der Talenttransfer mit dem Ausland muss gewahrt bleiben, sagt ETH-Rektor Lino Guzzella, selber ein Spitzenforscher, der auch in den USA lehrt. Guzzella weiss um den Multiplikatoreffekt seiner Lehrstätte. Fast die Hälfte der besten Start-ups hat sich rund um die Eidgenössische Technische Hochschule niedergelassen und sorgt im Kanton Zürich für Arbeitsplätze mit hoher Wertschöpfung.

Hohe Überlebenschance 
nach fünf Jahren

Für Startups braucht es freilich nicht nur Brain, sondern auch Cash. Auch hier gibt es Positives zu berichten: Das Finanzierungsvolumen, welches die Top-100-Startups auf sich vereinen, steigt stetig an und erreicht nun 300 Millionen Franken. Am meisten Gelder sind der Firma HouseTrip zugeflossen, nämlich rund 60 Millionen Franken. Es sind Investments, die global agierenden Venture Capitalists gefallen müssen. Auch nach fünf Jahren sind über 80 Prozent der Firmen noch operativ. Ein absoluter Spitzenwert. Auch dank Jungunternehmerinnen wie Junjun und Olga.

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