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Aufschwung
Iran-Exporte boomen - trotz dem Zaudern der Banken

Iran: Die Schweizer Wirtschaft lässt sich durch zögernde Banken nicht stoppen
Arbeiterin im Iran: Das Land war lange wirtschaftlich isoliert. Keystone

Die Schweizer Wirtschaft exportiert immer mehr in den Iran – obwohl die hiesigen Banken nichts mit der Islamischen Republik zu tun haben wollen. Am Zaudern der Institute scheitern aber oft Deals.

Die Schweizer Ausfuhren nach Iran haben dieses Jahr an Fahrt gewonnen. Die Zurückhaltung der Schweizer Banken bei Iran-Geschäften sei zwar verständlich, stelle die Wirtschaftsbeziehungen aber vor grosse Hürden, sagte der Präsident der Iran-Swiss Handelskammer Sharif Nezam-Mafi.

Von Januar bis Juli 2017 erhöhten sich die Schweizer Exporte nach Iran um 24,7 Prozent auf 294,9 Millionen Franken gegenüber dem Vorjahr - Gold und andere Edelmetalle ausgenommen. Die Belebung geht nicht nur auf die Lockerung der Iran-Sanktionen Anfang 2016 zurück, sondern auch auf das neue Handelsabkommen Schweiz-Iran.

Abkommen seit März in Kraft

Das Abkommen trat Mitte März in Kraft, nachdem es seit 2005 auf Eis gelegen hatte. Allerdings hätten die Ausfuhren aus anderen europäischen Ländern wie Deutschland und Frankreich deutlich stärker zugelegt, sagte Präsident der Iran-Swiss Handelskammer Nezam-Mafi am Dienstag am Rande des Europe-Iran Forums in Zürich.

Die Schweizer Firmen seien wohl konservativer. Schweizer Banken seien definitiv konservativer bei Iran-Geschäften und hätten mehr Angst vor US-Sanktionen als europäische, führte er aus. Doch er habe Verständnis für die Zurückhaltung, weil die Schweizer Banken in der Vergangenheit von den USA mehr bestraft worden seien als andere.

Dilemma für Exporteure bleibt

Trotzdem werde die Handelsbeziehung durch diese Zurückhaltung erschwert. Laut Nezam-Mafi kann beispielsweise die Fluggesellschaft Iran Air die Strecke Teheran-Genf nicht wieder aufnehmen, weil die Finanzierung des Treibstoffs über eine Schweizer Grossbank laufe.

UBS und Credit Suisse wollen mit Iran keine Geschäftsbeziehung aufnehmen, solange die USA Sanktionen gegenüber Iran aufrechterhalten. Angesichts der neuen US-Regierung und deren Einstellung werde sich die Situation nicht verbessern, erwartet Nezam-Mafi. Für Geschäftsleute erwarte er die nächsten Jahre ein «Fegefeuer», wo Geschäfte möglich, aber schwierig seien.

Banken müssen mitmachen

Für Unternehmen, die ihre Produkte im Iran verkaufen wollten, gebe es Alternativen. Sie könnten auf europäische Banken oder einige kleinere Schweizer Banken ausweichen, die mit Iran arbeiteten. Allerdings brauche es für Grossinvestitionen internationale Banken.

Zu den US-Sanktionen kommen für die Banken Hindernisse vor Ort hinzu - etwa die rückständige Regulierung des Finanzsystems. Iran habe erkannt, dass das Banksystem reformiert werden müsse, sagte der Konzernchef der iranischen Middle East Bank, Parviz Aghili. Allerdings hätten die Banken schon viel gemacht, um internationale Standards zu erreichen. Nächstes Jahr müssten sie nach dem internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS rapportieren.

Neue Finanzierungsmodelle

Während vermehrt asiatische Finanzierer die Lücken füllen, gibt es in Europa neue Ansätze, um die Finanzierungsprobleme zu lösen. Die staatliche Exportförderorganisation Dänemarks hat erstmals Garantien für die Iran-Geschäfte einer kommerziellen Grossbank gesprochen.

Ausfälle durch neue Sanktionen würden gedeckt, sagte Jorn Fredsgaard Sorensen, EFK-Direktor. Die grösste Angst der Banken sei nicht, dass die USA gesetzlich gegen sie vorgehen, sondern was in den USA mit ihrem Ruf passiere, wenn sie mit Iran geschäfteten, sagte er.

Seco arbeitet an Hürden

Für das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) in Bern besteht kein Zweifel, dass die zurückhaltende Geschäftspolitik von Schweizer Banken den hiesigen Unternehmen den Aufbau von neuen Geschäftsbeziehungen mit dem Iran erschwert.

Um das Verständnis für die verbleibenden Sanktionen und damit die Rechtssicherheit zu verbessern, habe das Seco zahlreiche Informationsveranstaltungen durchgeführt, sagte Seco-Sprecher Fabian Maienfisch auf Anfrage der sda. Auch das US Office of Foreign Assets Control (OFAC) sei zu einem Informationsanlass für die Finanzbranche eingeladen worden. Wie viel Verständnis, das OFAC für Schweizer Banken zeigte, bleibt offen. «Das US-Office of Foreign Assets Control hat den Schweizer Einwand zur Kenntnis genommen», sagte der Seco-Sprecher.

(sda/mbü)

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