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Kapitalfluss
Island hebt Kapitalkontrollen langsam auf

Island: Das Land der vielen Gesichter. Keystone

Island hebt die Kapitalkontrollen schrittweise auf. Eine hohe Steuer für Gläubiger, die Kapital abziehen wollen, soll einen grossangelegten Vermögensabfluss verhindern.

Veröffentlicht am 08.06.2015

Island lockert die vor sieben Jahren auf dem Höhepunkt der Finanzkrise eingeführten Kapitalkontrollen. Ausländische Gläubiger können Vermögenswerte der pleitegegangenen isländischen Banken verkaufen, müssen aber eine Steuer von 39 Prozent zahlen, wenn sie das Geld ausser Landes bringen wollen, wie die Regierung ankündigte. Sie erhofft sich von der schrittweisen Aufhebung der Kapitalkontrollen eine bessere Bonitätsnote bei den Ratingagenturen und damit geringere Refinanzierungskosten.

Nach Schätzungen der Regierung könnten die Gläubiger etwa 500 Milliarden Isländischen Kronen (rund 3,4 Milliarden Euro) abziehen. Das entspricht rund einem Viertel der jährlichen Wirtschaftsleistung. Um einen grossangelegten Vermögensabfluss zu verhindern, durch den die Währung drastisch abwerten könnte, hat sich die Regierung zur Einführung der Steuer entschlossen.

2008 grössten Banken zusammengebrochen

2008 waren die drei grössten Banken Glitnir, Landsbanki und Kaupthing zusammengebrochen. Deren Vermögen übertraf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des nur 330'000 Einwohner zählenden Inselstaates zeitweise um das Zehnfache. Die Regierung entschloss sich deshalb, ausländische Investitionen und Bankenschulden einzufrieren. Islands Wirtschaftsleistung hatte 2014 erstmals wieder das Vorkrisenniveau erreicht, auch dank der gestiegenen Wettbewerbsfähigkeit durch die Währungsabwertung.

Ausländer halten zudem isländische Vermögen wie Staatsanleihen in einem Volumen, das etwa 15 Prozent des BIP entspricht. Die für das Schuldenmanagement der Regierung zuständige Finanzagentur bietet ihnen an, durch Währungsauktionen der Zentralbank oder Investitionen in neue Staatsanleihen an ihr Geld zu kommen.

(reuters/chb)

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