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Italien: Florierender Handel mit Plagiaten

Der Schiefe Turm von Pisa. Garantiert der Echte. (Bild: Keystone)

Die Italiener wissen sich in der Krise offenbar zu helfen: Sie kaufen Fälschungen. Sogar gefälschte Lebensmittel machen den Behörden zu schaffen.

Veröffentlicht am 19.11.2012

Im krisengeschüttelten Italien floriert der Handel mit Plagiatprodukten, der im Land einen Rekordumsatz von sieben Milliarden Euro erreicht hat. Besonders betroffen ist die legale Accessoirebranche, die wegen Fälschungen 2,5 Milliarden Euro im Jahr verliert.

Auch bei der Produktion von CD, DVD und Software sind Fälscher mit einem Jahresumsatz von 1,8 Milliarden Euro im Vormarsch, geht aus einer Studie des Ministeriums für Wirtschaftsentwicklung mit dem Forschungsinstitut Censis hervor. Jeder zweite Italiener kauft Plagiatprodukte, ergab die Studie.

Die Produktpiraterie macht auch vor Lebensmitteln nicht halt, klagte der Landwirtschaftsverband Coldiretti am Montag. Diffus sei die Vermarktung von Produkten mit «Made in Italy»-Etiketten, obwohl sie im Ausland hergestellt werden.

In diesem Bereich beträgt der Umsatz bereits 1,1 Milliarden Euro. Würde man die Plagiatprodukte auf dem legalen Markt verkaufen, wäre die Jahresproduktion in Italien um 13,7 Milliarden Euro höher, was etwa 0,35 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) entspricht, geht aus der Censis-Studie hervor.

Entzug von Wertschöpfung

110'000 legale Arbeitsplätze könnten damit entstehen. Produktfälschungen entziehen dem Land Wertschöpfung von mehr als fünf Milliarden Euro. Von Kleidung über Schmuck und Kosmetik bis hin zu Medikamenten, alles werde illegal verkauft, was imitiert werden könne, klagte Roma.

Nicht nur das Klonen von Brandprodukten stellt eine konkrete Gefahr für Italiens produktives System dar. Auch das Nachahmen von patentierten Designartikel belastet mehrere Wirtschaftsbereiche, vor allem die Mode- und die Möbelindustrie.

(tke/aho/sda)

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