Nach drei Jahren Rezession wittern die Unternehmen in Italien wieder langsam Morgenluft. Beim alljährlichen Stelldichein von Managern, Bankern und Politikern am Ufer des Comer Sees zeigt sich wachsende Zuversicht in den Reformkurs von Ministerpräsident Matteo Renzi.

«Es gibt noch viel zu tun, aber das Glas sieht jetzt halbvoll aus», sagt Stefano Venturi, oberster Manager vom US-Technologiekonzern Hewlett-Packard (HP) in Italien. Die Amerikaner haben drei Datenzentren und beschäftigen insgesamt 5000 Mitarbeiter in dem Euro-Land. Aktuell erwägt der Konzern, seine Investitionen zu erhöhen und mehr Personal einzustellen, nachdem HP in Italien zuvor jahrelang eher geschrumpft ist.

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Vorsichtiger Optimismus

Venturis Worte spiegeln den vorsichtigen Optimismus auf dem Kongress in Cernobbio wider, der seit langem als Seismograph für die Stimmung in der Wirtschaft gilt. Die ist demnach deutlich positiver als vor einem Jahr: 69 Prozent der Konferenzteilnehmer schätzen Renzis Vorgehen als gut oder sehr gut ein.

Der Ministerpräsident hat in den vergangenen 18 Monaten Reformen angestossen auf dem Jobmarkt, im Bankensektor, in der Bildung und der Verwaltung. Die Manager setzen darauf, dass Renzi nachlegt und etwa Bürokratie und Korruption abbaut, das Justizsystem reformiert, die Steuern senkt und die Staatsfinanzen auf Vordermann bringt.

Renzi sprüht vor Zuversicht

«Meine Meinung von der Regierung ist sehr positiv», sagt der Chef von Italiens grösster Bank UniCredit, Federico Ghizzoni. «Italien ist aus der Rezession heraus und zum ersten Mal seit - ich weiss nicht wie vielen – Jahren reden sie darüber, ob sie ihre Wachstumsprognose erhöhen.» Renzi rechnet für 2015 mit einem Anziehen der Wirtschaftskraft um 0,7 Prozent. Dies ist deutlich weniger als Ökonomen für die gesamte Euro-Zone erwarten, in Italien wäre es das erste Plus seit 2011.

Anders als im Vorjahr stellt sich Renzi diesmal dem Forum und dessen Kritik. Der Regierungschef rühmt sich seiner Reformerfolge: «Italien ist kein Problem mehr für Europa.» Rund ein Viertel der fast eine Million Arbeitsplätze, die in der jüngsten Krise verloren gegangen seien, seien wieder aufgebaut worden. «Er hat Dinge in 18 Monaten gemacht, die in den vergangenen 40 Jahren nicht gemacht wurden», sagt HP-Manager Venturi.

Regierung geniesst Vertrauen

«Er hat Tabus gebrochen.» Ob ausländische Investoren Geld in einem Land investieren, hänge zu rund 50 Prozent von der Vertrauenswürdigkeit der politischen Führung ab, erläutert Venturi. Und Renzi habe viele von sich überzeugt. «Es gibt den Glauben daran, dass er Italien aus der Flaute herausholen kann.»

(reuters/mbü/ise)