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Finanzspritze
Italiens Banken: Weiter Appetit auf Staatsgelder

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Italien: Der Kapitalbedarf mittelgrosser Banken schmeckt Experten gar nicht. (Bild: Keystone)Quelle: Keystone

Italiens mittelgrosse Banken gehören zu den schwächsten in ganz Europa. Experten befürchten, dass sie erneut mit staatlichen Geldern gestützt werden müssen.

Veröffentlicht am 12.08.2013

Italiens Banken werden die nächste Zeit nicht ohne weitere Finanzspritzen überstehen - womöglich ist sogar erneut der Staat gefragt, wenn nicht genug privates Kapital zusammenkommt. Das zumindest fürchten Experten.

Betroffen sind demnach vor allem mittelgrosse Institute, während die Marktführer UniCredit und Intesa Sanpaolo besser dastehen. Probleme haben aber auch sie: Italien steckt in einer Dauer-Rezession und damit steigt der Anteil fauler Kredite in den Bank-Bilanzen.

Riesige Bestände an Staatsanleihen

Ausserdem sitzen die Geldhäuser auf riesigen Beständen italienischer Staatsanleihen, was im Falle einer neuerlichen Eskalation gefährlich werden könnte. Die Notenbank des Landes macht Druck, bevor die Europäische Zentralbank die Aufsicht über die grossen Institute des Kontinents übernimmt.

Die italienischen Geschäftsbanken haben seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 ihr Kapitalpolster bereits mit mehr als 26 Milliarden Euro gestärkt. Zugleich wurden 20'000 Jobs gestrichen und Filialen geschlossen, um die Kosten zu senken. Zahlreiche Töchter wurden abgestossen. Die Notenbank drängt aber auf weitere Massnahmen, bevor der Zustand der Geldhäuser das nächste Mal getestet wird. Das dürfte Anfang 2014 der Fall sein, so Experten.

Monte dei Paschi besonders anfällig

Also sind Kapitalmassnahmen unausweichlich. «Italiens mittelgrosse Banken zählen zu den schwächsten in Europa», sagt Branchenexperte Alberto Gallo von der Großbank RBS. Die Nummer drei des Landes, das von Skandalen und hohen Verlusten erschütterte Traditionshaus Monte dei Paschi aus der Toskana, dürfte besonders verletzlich sein.

Gallo zufolge braucht die Bank, die gerade den fünften Quartalsverlust in Folge ausgewiesen hat, in den nächsten drei Jahren bis zu fünf Milliarden Euro - zusätzlich zu den 4,1 Milliarden Euro, die sie im Februar vom Staat bekommen hat.

Bei sechs weitere Banken Kapitallücke schliessen

Weil der Kapitalbedarf den Börsenwert weit übersteige, dürfte es schwer werden, private Investoren ins Boot zu holen. Dann sei wieder die Regierung am Zug, die eigentlich versucht, die Neuverschuldung zu senken.

Im schlimmsten Fall rechnet der RBS-Experte mit weiteren sechs Banken, bei denen Kapitallücken geschlossen werden müssten. Darunter sei Carige, eine Bank aus Genua. Wie Monte dei Paschi wird das Institut von gemeinnützigen Stiftungen mit engen Beziehungen in die lokale Politik kontrolliert.

Hier muss womöglich ein Loch von 800 Millionen Euro gestopft werden. Auch bei Banco Popolare, UBI, Banca Marche sowie Banca Popolare di Milano und Banca Popolare di Vicenza könnte es Handlungsbedarf geben.

Längste Rezession seit 2. Weltkrieg

Sie alle trifft die hartnäckige Rezession - die längste seit dem Zweiten Weltkrieg. Seit 2007 haben sich die faulen Kredite fast verdreifacht. Sie summieren sich branchenweit mittlerweile auf satte 249 Milliarden Euro. Nach Angaben der Notenbank des Landes sind rund 14 Prozent aller Darlehen problembehaftet. Das Bild dürfte sich auch nächstes Jahr noch nicht ändern.

Denn Italien wird voraussichtlich erst 2014 wieder moderat wachsen - und dann dauert es in der Regel noch eine Zeit, bis die Kreditqualität wieder besser wird. Die Banken haben auf die Misere reagiert und weniger Kredite ausgegeben - was wiederum die konjunkturelle Erholung behindert.

(chb/aho/reuters)

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