Die Stimmung der italienischen Verbraucher ist derzeit so gut wie seit 15 Monaten nicht mehr. Ein Grund dafür dürfte sein, dass die neue Regierung in Rom die umstrittene Immobiliensteuer zunächst auf Eis gelegt hat. Das Barometer für die Konsumstimmung stieg im Juni überraschend deutlich um 9,3 auf 95,7 Punkte, wie das nationale Statistikamt Istat mitteilte.

Von Reuters befragte Analysten hatten wegen der anhaltenden Rezession nur mit einem minimalen Plus gerechnet. Ein Istat-Sprecher begründete einen Teil des Anstiegs mit einer veränderten Daten-Erhebung, räumte aber ein: «Einigen Einfluss über die Medien könnte es wegen der Aussetzung der Immobiliensteuer auf Erstwohnsitze gegeben haben.»

Trotzdem Steuer auf Luxusimmobilien

Die Abgabe war einer der Zankäpfel im Wahlkampf und ist es immer noch in der Mitte-Rechts-Koalition unter Regierungschef Enrico Letta. Dieser hat angekündigt, die geplanten Änderungen sollten ab dem 31. August gelten, zudem ist die Steuer seit Juni ausgesetzt. Von der Steuer verschont werden sollen bestimmte landwirtschaftliche Gebäude, nicht aber Luxuswohnungen und -häuser. Durch die Aussetzung entgehen dem Staat Einnahmen von rund zwei Milliarden Euro. Lettas konservativer Koalitionspartner will die Immobiliensteuer ganz abschaffen, was mit acht Milliarden Euro zu Buche schlagen würde.

Italien durchlebt derzeit seine längste konjunkturelle Durststrecke der Nachkriegszeit: Die Wirtschaft ist seit Mitte 2011 sieben Quartale in Folge geschrumpft und dürfte nach Ansicht der EU-Kommission auch im Gesamtjahr 2013 um 1,3 Prozent sinken. Der private Konsum gilt als Achillesferse der italienischen Wirtschaft, die wiederum im letzten Jahrzehnt so schwach gewachsen ist wie kaum ein anderes Euro-Land.

(jev/aho/reuters)

Anzeige