Die Griechenland-Krise könnte nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) die wirtschaftliche Erholung in der Euro-Zone schnell wieder erschüttern. Insgesamt hätten sich die Wachstumsrisiken zuletzt aber verringert, teilte der IWF am Montag mit.

Für den Währungsraum werden Zuwächse von 1,5 Prozent in diesem und 1,7 Prozent im nächsten Jahr vorausgesagt. 2014 betrug das Plus nur 0,8 Prozent. Mittelfristig allerdings sieht der Fonds nur bescheidende Aussichten für den Euro-Raum.

IWF: Wichtig ist, dass die EZB Kurs halten will

Der Fonds bewertet es positiv, dass die Europäische Zentralbank (EZB) und ihr Präsident Mario Draghi an ihrer ultra-lockere Geldpolitik vorerst festhalten wollen. «Wichtig ist, dass die EZB beabsichtigt, bis September 2016 bei ihrem Kurs zu bleiben und das ist, wie wir meinen, auch notwendig. Möglicherweise könnte es nötig werden, noch darüber hinauszugehen», sagte der Vize-Direktor der IWF Europa-Abteilung Mahmood Pradhan.

Der ultra-lockere Geldpolitik der EZB, der niedrige Euro-Kurs und günstigeres Öl sorgen den Analysen des Fonds zufolge für die besseren Aussichten. Es könnte aber nicht ausgeschlossen werden, dass von Griechenland immer wieder Unsicherheiten und Marktturbulenzen ausgelöst werden.

Chronische Nachfrageschwäche

Auf mittlere Sicht könne nur mit durchschnittlichen Zuwächsen um die Ein-Prozent-Marke gerechnet werden. Daran sei die chronische Nachfrageschwäche schuld. Hinzu kämen Produktivitätsmängel. Weil dies so ist, bescheinigt der Fonds der Euro-Zone eine hohe Anfälligkeit gegenüber Schocks von aussen, etwa durch Probleme in Schwellenländern.

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Auch Griechenland bleibe ein Risiko - trotz der zuletzt vereinbarten Umrisse auf ein drittes Hilfsprogramm und die aus Athen zugesagten Reformen. Bei Bedarf sollten die Euro-Länder alle Instrumente nutzen, um Ansteckungsgefahren in anderen Staaten einzudämmen. Auf längere Sicht sollte die Währungsunion enger zusammenrücken.

(reuters/moh)