Die EU-Länder hätten zwar einiges getan gegen eine Zuspitzung der Schuldenkrise in einigen Euro-Ländern, schreibt der IWF in seinem jüngsten Weltwirtschaftsausblick. "Aber es sind weitere mutige Schritte nötig, um die Finanzstabilität zu sichern, die Probleme im Bankensektor zu lösen, das EU-Rahmenwerk zu reformieren und das Wachstum wiederzubeleben."

Die USA müssen laut IWF angesichts eines sich abzeichnenden Haushaltsdefizits von fast elf Prozent in diesem Jahr dringend etwas tun, um eine mittelfristige Strategie zur Sanierung ihrer Staatsfinanzen zu entwickeln.

Die weltwirtschaftlichen Aussichten beurteilt der IWF insgesamt günstig. Der Aufschwung habe an Breite und Dynamik gewonnen und sei zunehmend selbsttragend geworden. Das Risiko eines von manchen befürchteten schnellen Rückfalls in die Rezession sei geschwunden. Dennoch bleibe es beim Aufschwung "der zwei Geschwindigkeiten" in der Welt - mit einem starken Wachstum und Überhitzungsgefahren in manchen Schwellenländern und eher schleppenden Wachstumsraten in traditionellen Industrieländern.

Für die Weltwirtschaft erwartet der Fonds unverändert 4,4 Prozent mehr Wirtschaftsleistung für 2011 und 4,5 Prozent mehr für 2012. Die USA dürften demnach 2011 mit 2,8 Prozent nicht ganz so stark zulegen wie noch jüngst mit 3,0 Prozent geschätzt. Dafür werde die grösste Volkswirtschaft der Welt aber 2012 mit 2,9 Prozent um 0,2 Punkte kräftiger wachsen als in der bisherigen IWF-Prognose unterstellt. Die stärkste Wachstumslokomotive bleibe China mit unveränderten Zuwächsen von 9,6 Prozent in diesem und 9,5 Prozent im kommenden Jahr.

Anzeige

Unterschiede in Europa

Für die europäischen Krisenländer sehen die Wachstumsprognosen des Fonds unterschiedlich aus. Für Portugal sagt er eine anhaltende Schrumpfung der Wirtschaftsleistung um 1,5 Prozent in diesem und 0,5 Prozent im nächsten Jahr voraus. Griechenland werde nach einem Minus von 3,0 Prozent 2011 im nächsten Jahr wieder um 1,1 Prozent zulegen. Irlands Wirtschaft werde in diesem Jahr um 0,5 Prozent wachsen und sich 2012 noch einmal um 1,9 Prozent verbessern.

Die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Japan-Katastrophe hält der IWF bei aller Unsicherheit derzeit noch für begrenzt. Ein neues Wachstumsrisiko bildeten die zuletzt stark gestiegenen Rohstoffpreise, auch in Hinblick auf politische Turbulenzen in Nordafrika und Nahost. Angesichts von Überhitzungserscheinungen und hohen Kapitalimporten in einigen Schwellenländern empfiehlt der Fonds, zeitweise Kapitalkontrollen zu erwägen und sich nicht mit aller Kraft gegen Aufwertungen ihrer Währungen zu stemmen.

(cms/sda)