Der Internationale Währungsfonds IWF stellt nicht nur der Schweizer WIrtschaft insgesamt ein gutes Zeugnis aus. Er lobt grundsätzlich auch die Schweizerische Nationalbank für die EInführung des Euro-Miondestkurses. Sie solle ihn «vorläufig dort zu belassen, wo er ist», erklärte IWF-Chefprüferin Enrica Detragiache in Bern vor den Medien. Dieses «stabilisierende Elemen» solle aufrechterhalten werden, so lange die wirtschaftliche Erholung nicht gesichert sei und keine Anzeichen einer Inflation auszumachen seien.

Jedoch mahnt der IWF die SNB dazu, die Situation bei den «selten so gross gewesenen» Devisenreserven im Auge zu behalten. Würde nämlich der Franken deutlich stärker, so verlören die derzeit bei 427,7 Milliarden Franken liegenden und vornehmlich in Euro, Dollar, Yen und Pfund angelegten Fremdwährungsreserven massiv an Wert. Solche Verluste könnten laut Detragiache letzten Endes «die Unabhängigkeit der SNB gefährden».

Als Gegenmittel zu einem erneuten Aufwertungsdruck des Frankens schlägt der IWF vor, negative Zinssätze auf den Überschussreserven der Geschäftsbanken bei der SNB einzuführen. Auch solle die SNB die Eigenmittel erhöhen, um den Risiken einer gestiegenen Bilanzsumme besser zu begegnen.

Keine Immobilienblase

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Äusserst zufrieden zeigte sich die IWF-Delegation mit den Massnahmen, welche die Schweizer Behörden, namentlich das Finanzdepartement, gegen eine mögliche Blase im Immobilienmarkt ergriffen haben. Zwar seien noch immer einige lokale Hot Spots auszumachen, alles in allem liessen die Daten für die Gesamtschweiz aber «keine typischen Anzeichen» einer Immobilienblase erkennen.

Um die Risiken im Immobilienmarkt weiter zu senken, legt der IWF der Schweiz nahe, die steuerpolitischen Anreize bei der Hypothekenvergabe zu überdenken. Dass Hauseigentümer die bei Hypotheken anfallenden Zinsen von den Steuern abziehen könnten, trage zu einer Destabilisierung des Systems bei. Gemessen am Bruttoinlandprodukt würden nur in wenigen Ländern der Welt so viele Wohnungs- und Hausbaukredite vergeben wie in der Schweiz.

Mehr internationale Koordination gefordert

Was den Finanzsektor anbelangt, so lobte der IWF die verschärfte Regulierung und Überwachung der Banken- und Versicherungsbranche. Insbesondere die Kapital- und Liquiditätsvorgaben von Basel III hätten zu dieser Verbesserung beigetragen. Wichtig sei es nun, dass die systemrelevanten Grossbanken den Abbau der risikogewichteten Aktiven weiter vorantrieben.

Nachholbedarf besteht nach Ansicht des IWF auch noch bei der Koordination der nationalen mit den internationalen Regulierungsmassnahmen. Die Schweizer Behörden werden ermutigt, sich «mit Nachdruck in diese Richtung zu bewegen». Ein globales System zur Eindämmung der Relevanz von einzelnen Grossbanken für das Finanzsystem sei nämlich noch immer nicht gefunden.

Bescheidenes Wachstum

Die Perspektiven für die Konjunktur in der Schweiz betitelte IWF-Delegationsleiterin Detragiache als «bescheiden». Im Jahr 2013 dürfte die Schweizer Wirtschaft gemäss IWF-Prognose zwischen 1 und 1,5 Prozent wachsen. 2014 werde es dann gar etwas mehr sein, fügte sie hinzu, ohne präziser zu werden.

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Der IWF führte sein diesjähriges Länderexamen in der Schweiz vom 8. bis 18. März durch. Die Finanz- und Wirtschaftslage seiner Mitgliedsländer regelmässig zu beurteilen, gehört zur wirtschaftspolitischen Überwachungstätigkeit des Währungsfonds.

(se/aho/sda)