Die designierte US-Zentralbankchefin Janet Yellen hat sich klar für eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik ausgesprochen. «Ich halte es für unerlässlich, alles zu tun, um eine sehr starke wirtschaftliche Erholung zu fördern», sagte Yellen bei der Anhörung zu ihrer Nominierung vor dem Bankenausschuss des Senats in Washington.

Ein voreiliger Kurswechsel in der Geldpolitik würde dem Land teuer zu stehen kommen. Unter ihrer Führung werde die Zentralbank «den Willen und das Engagement» an den Tag legen, das Wachstum und den Arbeitsmarkt zu stärken, sagte Yellen.

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Zugleich machte sie aber deutlich, dass die milliardenschweren Anleihenkäufe der Federal Reserve «nicht für immer» weitergeführt werden könnten.

Die designierte Nachfolgerin von Zentralbankchef Ben Bernanke versicherte, dass die Inflation unter der Zielmarke von zwei Prozent liege und auf absehbare Zeit keine Gefahr für die Wirtschaft darstelle. «Ich glaube, dass eine heutige Unterstützung der wirtschaftlichen Erholung der sicherste Weg ist, zu einem normaleren geldpolitischen Ansatz zurückzukehren», betonte Yellen.

Arbeitslosenquote von unter 6,5 Prozent angepeilt

Mit ihrer Politik des günstigen Geldes versucht die Fed seit Ende 2008, gegen die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise anzukämpfen. Der Leitzins verharrt auf dem Rekordtief von null bis 0,25 Prozent. Solange die Arbeitslosigkeit in den USA über 6,5 Prozent liegt, will die Zentralbank an diesem Niveau nicht rütteln. Im Oktober betrug die Arbeitslosenquote 7,3 Prozent.

Darüber hinaus erwirbt die Fed jeden Monat Staatsanleihen im Umfang von 45 Milliarden Dollar sowie Hypothekenpapiere in Höhe von 40 Milliarden Dollar. Mit dem Programm pumpt sie zusätzliches Kapital ins Finanzsystem, um so Kredite billiger zu machen. Die Finanzmärkte erwarten allerdings, dass die Anleihenkäufe in den kommenden Monaten zumindest gedrosselt werden.

Lob für Vorgänger Bernanke

Yellen lobte in der Erklärung die Geldpolitik der vergangenen Jahre. Ohne das Eingreifen der Zentralbank wäre die Krise «viel schlimmer» ausgefallen, sagte sie. «Unter der weisen und geschickten Führung des Vorsitzenden Bernanke hat die Fed geholfen, das Finanzsystem zu stabilisieren, den tiefen Fall der Wirtschaft aufzuhalten und das Wachstum wieder zu starten.»

US-Präsident Barack Obama hatte Yellen im Oktober nominiert. Die bisherige Vizechefin des Fed soll Bernanke zum 1. Februar 2014 ablösen und wäre in der hundertjährigen Geschichte der US-Zentralbank die erste Frau an der Spitze. Ihre Nominierung muss noch vom Senat bestätigt werden, eine Mehrheit galt trotz der Vorbehalte einiger Republikaner aber als praktisch sicher.

Die 67-jährige Yellen wurde als Favoritin für den Posten gehandelt, seit der ehemalige US-Finanzminister Larry Summers seine Kandidatur Mitte September zurückgezogen hatte. Die promovierte Ökonomin diente in den 1990er Jahren unter dem damaligen Präsidenten Bill Clinton als Wirtschaftsberaterin im Weissen Haus. Mehr als ein Jahrzehnt verbrachte sie auf verschiedenen Posten bei der Zentralbank, 2010 wurde sie von Obama zur Vizechefin der Notenbank ernannt.

(sda/rcv/chb)