Die japanische Wirtschaft ist in den Monaten April bis Juni um 0,9 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gewachsen und damit stärker als zunächst angenommen. Die ursprüngliche Schätzung der Regierung für das Wachstum des Bruttoinlandprodukts hatte bei 0,6 Prozent gelegen.

Aufs Jahr gesehen bedeutet das revidierte BIP-Wachstum einen Anstieg der Wirtschaftsleistung um 3,8 Prozent (ursprünglich 2,6 Prozent), wie aus den von der Regierung veröffentlichten Daten hervorgeht.

Die nach oben revidierten Zahlen sind ein Hinweis darauf, dass sich die japanische Wirtschaft auf dem Weg zu einer moderaten Erholung befindet.

Die zu Jahresbeginn erreichte Wachstumsrate von 4,1 Prozent konnte fast gehalten werden - vor allem, weil die Unternehmen wegen der Exporterfolge erstmals seit langsam wieder mehr investierten.

Regierungsberater warnen aber vor Selbstzufriedenheit. «Die Wirtschaft hat noch keinen selbsttragenden Aufschwung erreicht», sagte Etsuro Honda, der Ministerpräsident Shinzo Abe berät, der Nachrichtenagentur Reuters. Das Land befinde sich zwar auf dem Weg aus der Deflation, also sinkenden Preisen auf breiter Front. «Aber wir sind noch nicht aus dem Schneider», sagte Honda.

Steigende Investitionen

Für den Aufwärtstrend sind vor allem steigende Investitionen verantwortlich. Sie legten um 1,3 Prozent und damit erstmals seit anderthalb Jahren zu. Die erste Schätzung hatte noch ein Mini-Minus von 0,1 Prozent ergeben. «Die Unternehmen ersetzen alte Ausrüstungen», sagte Ökonom Hiroaki Muto von Sumitomo Mitsui Asset Management.

Der Grund dafür sind steigende Gewinne - vor allem wegen des schwachen Yen, der japanische Waren im Ausland attraktiver macht.

Angesichts der positiven Entwicklung wird die von Abe geplante Verdoppelung der Umsatzsteuer wahrscheinlicher. Sie soll bis 2014 auf zehn Prozent steigen.

«Wir haben neue positive Signale gesehen», sagte Wirtschaftsminister Akira Amarai, der nicht nur auf das kräftige Wachstum, sondern auch auf die Vergabe der Olympischen Spiele 2020 an Tokio hinwies. Sie könnte der drittgrössten Volkswirtschaft der Welt einen weiteren Schub geben - etwa durch milliardenschwere Investitionen in den Bau neuer Sportstätten.

Einige Experten halten eine Steuererhöhung dagegen für verfrüht, da sie den privaten Konsums abwürgen könne. Laut Amari müsse die Regierung ein Ausgabenpaket von umgerechnet mehr als 15 Milliarden Euro schnüren, um die negativen Folgen der Steuererhöhung abzufedern.

Konsumenten zurückhaltender

Die Konsumentinnen und Konsumenten zeigten sich zuletzt zurückhaltend. Ihre Kauflaune liess im August bereits den dritten Monat in Folge nach. Das auf einer Haushaltsbefragung beruhende Barometer fiel um 0,6 auf 43,0 Punkte. Grund dafür sei, dass die Japaner die Aussichten für neue Jobs und höhere Löhne pessimistischer beurteilten, erläuterte die Regierung.

Japan kämpft seit Jahren gegen die Deflation. Fallen die Preise erst einmal, setzen Konsumenten darauf, dass Waren und Dienstleistungen immer günstiger werden und halten sich mit Ausgaben zurück. Die Firmen bleiben auf ihren Produkten sitzen, verlieren Umsatz und müssen Mitarbeiter entlassen, was den Konsum weiter drückt.

(sda/chb/jev)

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