In der Schweiz sind die Lohn- und Arbeitsbedingungen 2015 mehrheitlich eingehalten worden, wie der Bericht zu den flankierenden Massnahmen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) zeigt. Im Vergleich zum Vorjahr nahmen die Kontrollen um rund 10 Prozent zu.

Der Anteil der Verstösse blieb mit 29 Prozent auf dem Niveau des Vorjahres. Etwa jeder dritte der 10'614 kontrollierten Betriebe aus der Schweiz mit einem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) verstiess gegen zwingende Lohnbestimmungen.

Dumpinglöhne bezahlt

Von den 10'516 kontrollierten Schweizer Betrieben ohne GAV unterboten rund 9 Prozent die üblichen Löhne. Das ist leicht weniger als 2014, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht des Seco hervorgeht.

Mit diesen Arbeitgebern führten die tripartiten Kommissionen der Branchen Verständigungsverfahren durch, die unter anderem zu Lohnnachzahlungen führten. Knapp über die Hälfte dieser Verfahren waren erfolgreich.

Günstige Ausländer

Bei den ausländischen Unternehmen, die Arbeitnehmer in die Schweiz entsandten, stieg die Zahl der Lohnunterbietungen um 22 Prozent auf 681 fehlbare Betriebe. Bei den ausländischen Unternehmen, die Arbeitnehmer in Branchen mit GAV in die Schweiz entsandten, gingen die Verstösse gegen zwingende Lohnbestimmungen leicht zurück.

Anzeige

Ein besonderes Augenmerk wurde auf Dienstleistungsunternehmen aus dem EU/EFTA-Raum gelegt, da aufgrund der Lohnunterschiede zwischen der Schweiz und den Herkunftsländern das Risiko von zu tiefen Löhnen grösser ist.

418 Scheinselbstständige

Die Kontrollbehörden überprüften insgesamt 7391 selbständig Erwerbende und stellten bei 418 von ihnen eine Scheinselbstständigkeit fest. Das entspricht knapp 6 Prozent.

Der Bericht zeige, dass die in der Schweiz geltenden Lohn- und Arbeitsbedingungen bei den kontrollierten Betrieben mehrheitlich eingehalten worden sind, hielt das Seco fest. Die Kontrollen wurden im Jahr 2015 um 10 Prozent auf insgesamt über 45'000 Betriebe und total 175'000 Personen ausgeweitet.

Unia fordert mehr Kontrollen

Die grösste Gewerkschaft des Landes sieht die Situation indes leicht anders: «Der heute veröffentlichte Seco-Bericht zur Umsetzung der Flankierenden Massnahmen zeigt: Zusätzliche Instrumente zur Unterbindung von Lohndumping sind notwendig», heisst es in einer Medienmitteilung der Gewerkschaft Unia.

Die Personenfreizügigkeit mit der EU war ein wichtiger Fortschritt, der dem unwürdigen Saisonnierstatut ein Ende setzte, so das Communiqué. «In der Schweiz müssen aber auch Schweizer Löhne gelten. Sonst wird die Akzeptanz der Personenfreizügigkeit gefährdet.»

(sda/ise)