VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch gerät einem Medienbericht zufolge nach seiner anhaltenden Kritik an Vorstandschef Martin Winterkorn immer stärker unter Druck. Der Firmenpatriarch sei als Vorsitzender des Kontrollrats nicht mehr tragbar, zitierte das Magazin «Der Spiegel» namentlich nicht genannte Mitglieder des Gremiums am Freitag vorab. Der 78-Jährige betreibe entgegen seinen eigenen Angaben weiter die Ablösung des Konzernchefs. VW wollte sich dazu nicht äussern.

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Piëch hatte am Donnerstag Berichte dementiert, er forciere hinter den Kulissen weiter die Ablösung von Winterkorn: «Herr Winterkorn und ich haben uns vergangene Woche ausgesprochen und uns auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit geeinigt.» NDR, dpa und «Welt» berichteten hingegen, der Aufsichtsratschef suche in seiner Familie eine Mehrheit, um den VW-Chef doch noch vor der Hauptversammlung am 5. Mai aus dem Amt zu drängen.

Schädlich für Volkswagen

Dem «Spiegel»-Bericht zufolge soll Piech Anfang der Woche Porsche-Chef Matthias Müller gebeten haben, sich für einen Wechsel auf die Position des Vorstandsvorsitzenden des Wolfsburger Autokonzerns vorzubereiten. Das wäre ein Verstoss gegen den Beschluss des Aufsichtsratspräsidiums, das sich mit Mehrheit hinter Winterkorn gestellt und Piëch eine herbe Abstimmungsniederlage zugefügt hatte.

Für Volkswagen könnte der Knatsch schädlich sein. Aus Sicht des Branchenexperten Stefan Bratzel sollte denn auch der Machtkampf sollte zügig beendet werden. «Der VW-Konzern kann sich einen Machtkampf nicht lange leisten, wenn man nicht im Wettbewerb zurückfallen möchte», sagte Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach, am Freitag der dpa.

«Machtkampf diskreditiert Erfolge»

Volkswagen habe in den vergangenen zehn Jahren eine enorme Leistungsstärke entwickelt und stehe im Branchenvergleich trotz einiger Schwachpunkte derzeit noch sehr gut da. «Durch den Machtkampf werden die enormen Erfolge des einstmaligen Duos Winterkorn und Piëch ein Stück weit diskreditiert.»

Die Führungskrise müsse zügig beendet werden, damit sich VW wieder vollständig auf die drängenden inhaltlichen Aufgaben und Probleme konzentrieren könne. Volkswagen müsse möglichst bald die Frage klären, wer den Konzern in die «20er-Jahre» führen werde, in denen viele neue Herausforderungen rund um die Vernetzung des Autos, autonomes Fahren, alternative Antriebe und neue Geschäftsmodelle warteten.

(reuters/awp/dbe/gku)