1. Home
  2. Konjunktur
  3. Jetzt wird die Forschung weiblich

Analyse
Jetzt wird die Forschung weiblich

Forscherin: Besonders in der Pharmaindustrie sind sie gut vertreten. Keystone

Frauen holen in Forschung und Wissenschaft mit hoher Geschwindigkeit auf: Bei drei von zehn Patenten weltweit wirken inzwischen Frauen mit. Hierzulande haben Forscherinnen besonders stark zugelegt.

Von Marc Bürgi
am 23.11.2016

Es ist eine Premiere: Erstmals hat die Weltorganisation für geistiges Eigentum (Wipo) analysiert, wie viele der geschützten Erfindungen von Frauen stammen. Für die Uno-Organisation war es eine knifflige Aufgabe: Sie musste ihre Daten nach Frauennamen durchforsten. Je nach Sprache war es schwierig, die Namen einem Geschlecht zuzuordnen.

Die Analyse zeigt, dass Frauen eine immer wichtigere Rolle in der Forschung einnehmen. Bei 29 Prozent aller letztes Jahr eingereichten Patente waren Frauen beteiligt, dies sind fast zehn Prozentpunkte mehr als Mitte der Neunzigerjahre. Besonders ausgeglichen ist die Situation in China und Südkorea, bei Erfindungen aus diesen Ländern sind zu mehr als der Hälfte Frauen beteiligt.  

Die Schweiz im Mittelfeld

Auch in Singapur und Spanien haben Frauen eine starke Stellung in der Forschung und Entwicklung. Die Schweiz ist mit einem Frauenanteil von 27,2 Prozent im Mittelfeld platziert, zu den Schlusslichtern gehören Deutschland, Italien und Japan.

Hierzulande haben Frauen in den letzten Jahren allerdings stärker aufgeholt als in den meisten anderen Ländern. 1995 hatten Frauen bei lediglich rund zwölf Prozent aller Erfindungen aus der Schweiz mitgewirkt.

Das bessere Abschneiden verdankt die Schweiz wohl dem starken Pharmasektor: In der Biotechnologie- und Pharmaforschung sind Frauen weltweit in der Mehrheit. Novartis und Roche gehören denn auch zu den Konzernen, die besonders häufig Patente von Forscherinnen einreichen – Novartis ist auf Platz vier und Roche auf dem fünften Rang klassiert, beide Konzerne beschäftigen je über 1000 Forscherinnen.

Maschineindustrie als Männerdomäne

In vielen Sektoren der Maschinenindustrie sind Frauen in der Forschung und Entwicklung hingegen rar – dies ist auch eine mögliche Erklärung, wieso Patente aus Deutschland überwiegend von Männern eingereicht werden: Deutschland hat insbesondere in der Maschinenindustrie eine starke Stellung.

Anzeige