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Jobs: Sinnlose Förderung von Arbeitslosen

Nicht jeder vom RAV verordnete Kurs nützt dem Stellensuchenden. (Bild: Keystone)

Die teuren Massnahmen für Stellensuchende sind oft nutzlos – und manchmal gar kontraproduktiv.

Von Jürg Meier
am 22.06.2011

Die Zahl ist beeindruckend. 640 Millionen Franken gab die Schweiz im letzten Jahr für Fördermassnahmen aus, um Arbeitslosen wieder einen Job zu verschaffen. Das Geld floss für Beschäftigungsprogramme und eine breite Palette von Kursen. Doch der Nutzen dieser Bemühungen ist mitunter zweifelhaft, wie eine neue Studie der Universität Zürich belegt. Ein Arbeitsloser, der einen Kurs zur Persönlichkeitsentwicklung besucht, kann seine Chancen auf einen Job sogar verschlechtern.

Dieser Befund erstaunt Hans-Ulrich Bigler nicht. «Den meisten Bewerbern fehlt es nicht an Charakter, sondern schlicht an den nötigen fachlichen Qualifikationen», lautet das Fazit des Direktors des Schweizerischen Gewerbeverbandes. Heute gebe es in der Schweiz über 100000 Arbeitslose, und trotzdem strömten jedes Jahr 60000 bis 70000 ausländische Arbeitskräfte ins Land. «Um die Arbeitslosen wieder einzugliedern, braucht es jetzt eine Aus- und Weiterbildungsinitiative in der Schweiz», ist Bigler überzeugt.

FDP-Nationalrat Otto Ineichen stimmt dieser Forderung zu. Jugendliche könnten schon kurz nach dem Schulabschluss Arbeitslosengeld und Sozialleistungen beziehen. Heute gebe es in der Schweiz bereits 25000 ausgesteuerte Jugendliche und junge Erwachsene. Darum solle das System umgebaut werden. «Ausbildung muss wieder vor dem Bezug von Sozialleistungen kommen», so Ineichen.

Die Forscher der Universität Zürich untersuchten mit einer neuen Methode, was Programme für Arbeitslose tatsächlich bringen. Die Resultate sind teilweise ernüchternd. So schliessen die potenziellen Arbeitgeber aus den mit der Bewerbung eingereichten Zertifikaten, dass der Bewerber nur über geringste Fähigkeiten verfügt. Eine weitere Erkenntnis der Wissenschafter ist nicht weniger überraschend. Je tiefer die Bildung der Arbeitslosen ist, desto schlechter ist die Wirkung der Kurse – obwohl es gerade für Unqualifizierte ein breites Angebot gibt. «Die Berater in den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren müssen sich vermehrt überlegen, welche Massnahmen sie zu welchem Zeitpunkt einschalten», so das Fazit der Autoren.

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