Nach der jüngsten Einigung in der Griechenland-Krise ist ein Ausscheiden des Landes aus der Euro-Zone nach Darstellung von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker kein Thema mehr. Der Grexit sei «definitiv vom Tisch», sagte Juncker dem Sender ORF am Donnerstag.

Allerdings hänge die weitere Entwicklung von der Regierung in Athen ab: «Die Griechen müssen liefern.» Er erwarte nun «eine längere Periode ausgeprägter Ruhe» im Schuldendrama.

Höchste Staatsschuldenquote

Das griechische Parlament hatte in der Nacht zum Donnerstag ein zweites Reformpaket verabschiedet und damit den Weg für Verhandlungen über ein neues Hilfspaket von bis zu 86 Milliarden Euro freigemacht. Der grösste Teil der neuen Milliardenhilfen soll aus dem Euro-Rettungsfonds (ESM) stammen.

Am 20. August muss Griechenland 3,2 Milliarden Euro an die EZB zurückzahlen. Griechenland ist mit mehr als 300 Milliarden Euro verschuldet und hat die EU-weit höchste Staatsschuldenquote, auch wenn diese zuletzt etwas gesunken ist.

Geschirr zerschlagen

Tsipras hat für die Einigung mit Europa teuer bezahlen müssen. Besonders der linke Syriza-Flügel empfindet die Reformen als Vertrauensbruch und spricht offen von einer möglichen Rückkehr zur Drachme. Fast die gesamte griechische Presse sah Syriza am Donnerstag kurz vor einer Spaltung.

Bedauerlicherweise sei der Riss durch die Partei bestätigt worden, sagte Staatsminister Nikos Pappas. Konsequenzen daraus sollten aber erst nach Abschluss der Verhandlungen gezogen werden, sagte der enge Vertraute von Tsipras. Im Gespräch sind vorgezogene Neuwahlen, bei denen Tsipras jüngsten Umfragen zufolge sogar mit einer absoluten Mehrheit der Sitze rechnen könnte.

(sda/ise)

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