Die eskalierende Krise im Irak lässt die Preise für Rohöl in neue Höhen schiessen: Am heutigen Freitag stiegen sie auf den höchsten Wert seit September 2013. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juli 113,25 US-Dollar.

Das waren 23 Cent mehr als am Donnerstag. Bereits da waren die Preise sprunghaft gestiegen, weil die Lage im Irak zusehends ausser Kontrolle zu geraten scheint. Hohe Preise für Rohöl gefährden die konjunkturelle Erholung rund um den Globus, weil Produktionen sich dadurch verteuern.

Angst vor weiterer Eskalation

Die islamistische Terrorgruppe Isis hält Teile des Landes besetzt, darunter die zweitgrösste Stadt Mossul. Sollte es in dem Opec-Land zu grossen Angebotsausfällen an Rohöl kommen, könnten diese durch das Ölkartell kaum kompensiert werden, heisst es bei der Commerzbank.

Der Ölpreis kennt 2014 nur eine Richtung. Bereits die Krise in der Ukraine hatte – verbunden mit der Angst vor einem Rückgang der russischen Energieexporte – den Ölpreis ansteigen lassen. Experten monierten zudem generell eine zu geringe Förderquote der Opec. Aufgrund der steigenden Nachfrage der Weltwirtschaft forderte etwa die Internationale Energieagentur (IEA) bereits vor der Eskalation im Irak eine Erhöhung der Ölproduktion.

Fehlentscheid der Opec-Staaten?

Erst am Mittwoch hatten sich die Ölminister der zwölf Opec-Staaten aber darauf geeinigt, weiterhin etwa 30 Millionen Barrel Rohöl pro Tag zu fördern. Dass sich die Situation im Irak derart schnell verschlechtern würde, hatten die Erdölexporteure offenbar nicht erwartet.

Mit einer Produktion von 3,3 Millionen Barrel pro Tag ist der Irak hinter Saudiarabien das zweitwichtigste Opec-Mitglied. Das Land besitzt zudem die viertgrössten Ölreserven der Welt. Erst im April erreichten die irakischen Ölexporte mit 2,5 Millionen Barrels pro Tag ein neues Allzeithoch.

Iraks Süden ist entscheidend

Der Vormarsch der islamistischen Rebellen im Norden des Landes hatte indes bisher keinen grossen Einfluss auf die Ölproduktion, weil die dortige Förderung schon seit Anfang März auf ein Minimum zurückgefahren wurde. Damals war die Pipeline in die Türkei durch Angriffe beschädigt worden.

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Die langfristigen Auswirkungen der bürgerkriegsähnlichen Zustände sind dagegen schwer abzuschätzen, weil in einem längeren Konflikt auch die Ölfelder und Raffinerien angegriffen werden könnten.

Experten erwarten allerdings nicht, dass es so weit kommen wird. Ayham Kamel, vom Polit-Beratungsunternehmen Eurasia Group, antizipiert vielmehr eine weiter Steigerung der Produktion: «Bis Ende 2014 dürften die irakischen Exporte alleine aus den südlichen Ölfeldern auf einen neuen Rekord von 2,8 Millionen Barrel im Tag wachsen», sagte der Nahost- und Afrikaexperte gegenüber CNN.

(mit Material von sda und awp)