Sie haben die Schweizer Kantone nach ihrer Standortqualität analysiert. Zug schneidet mit Abstand am besten ab. Sind niedrige Steuern für Unternehmen und Beschäftigte also am wichtigsten?
Thomas Rühl: Nein, dass allein ist nicht ausschlaggebend. Wir haben uns bei der Bewertung auf sieben Standortfaktoren gestützt. Neben der steuerlichen Attraktivität spricht für Zug, dass dort viele Fachkräfte und Hochqualifizierte für Unternehmen leicht verfügbar sind. Auch die verkehrstechnische Erreichbarkeit ist gut. Zum Vergleich: Zürich folgt hinter Zug auf dem zweiten Platz – und dort ist die Steuerbelastung für Unternehmen überdurchschnittlich hoch. Zürich punktet vor allem mit seiner guten Anbindung.

Am unteren Ende des Rankings finden sich die Kantone Jura und Wallis wieder. Was wird dort falsch gemacht?
Wir haben nicht nur diese beiden Kantone unterdurchschnittlich bewertet – sondern den gesamte Alpenraum und den Jurabogen. Diese Regionen haben mit einer schwierigen Ausgangslage zu kämpfen, denn die Topografie stellt einen prägenden Standortfaktor dar. Insofern kann man nicht sagen, dass hier etwas «falsch gemacht» wird. Für den Jura und Wallis kommt jedoch hinzu, dass gute Arbeitskräfte dort nur schwer verfügbar sind. Und die Steuerbelastung ist vergleichsweise hoch.

Luzern hat 2011 gegengesteuert und die Unternehmenssteuern deutlich gesenkt. 
Das ist richtig. Inzwischen sind die Gewinnsteuern dort die niedrigsten in der gesamten Schweiz. Damit ist Luzern auch der erste Flächenkanton mit einem grösseren Zentrum, der die Strategie niedriger Gewinnsteuern fährt. Wie erfolgreich das Modell sein wird, ist noch unklar. Denn in der Regel führen niedrigere Steuern anfangs zu niedrigeren Erträgen. Im aktuellen Ranking hat Luzern damit aber den höchsten Sprung aller Kantone nach vorne gemacht – auf Rang sieben, von vorher Position 13.

Die steuerliche Privilegierung einiger Gesellschafts- und Ertragsarten wird von EU und Industrieländerorganisation OECD scharf kritisiert - ein Nachteil für Kantone, die stark darauf setzen?
Die Abschaffung dieser Steuerprivilegien steht auf dem Prüfstand. Kommt es so, könnten einige Unternehmen die Schweiz verlassen. Gemäss unserer Einschätzung ist es nachhaltiger, Steuerpolitik auf die ordentlichen Steuersätze zu konzentrieren, als auf individuelle Privilegien zu setzen.

Das Budget des Kanton Schaffhausen sieht für 2014 ein Defizit von 33,5 Millionen Franken vorher. Ganz allgemein: wie können Schweizer Kantone übermässige Defizite am besten eindämmen?
Generell stehen die Schweizer Kantone bezüglich der Schuldenlage gut dar. Ihr Schicksal haben sie aber nur teilweise selbst in der Hand, denn die Steuereinnahmen sind stark von der Konjunktur geprägt. Allerdings können einige Kantone sicherlich kosteneffizienter arbeiten. Das Thema E-Government etwa ist in der Schweiz nur wenig verbreitet. Damit liessen sich Kosten einsparen. 

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