Länder, denen das Geld auszugehen droht, versuchen oft, den Abfluss von Kapital über ihre Grenzen einzuschränken.
Am Montag hat sich Griechenland in die Liste der Staaten eingereiht, die Kapitalverkehrskontrollen eingeführt haben. Leider zeigt die Geschichte, das diese selten funktionieren. Von Mexiko bis Island haben seit dem Ersten Weltkrieg bereits Dutzende Länder zu solchen Massnahmen gegriffen, um ihre Einnahmen zu erhöhen, die Währung zu stützen und die Zinsen zu drücken.

Doch nur den wenigen unter ihnen, die gesunde Volkswirtschaften und starke Institutionen hatten, gelang es, die Kapitalflucht zu stoppen, stellt der Internationale Währungsfonds fest.

«Bereits sehr viel Geld abgeflossen»

Das lässt Schwierigkeiten für Griechenland erwarten. Dem Land droht die Staatspleite und ein Ausscheiden aus dem Euroraum, nachdem die Hilfsverhandlungen mit den Kreditgebern gescheitert sind und die EZB ihre Liquiditätshilfen für griechische Banken eingefroren hat.

«Aus Griechenland ist bereits sehr viel Geld abgeflossen - sie machen sozusagen den Stall zu, nachdem das Pferd längst raus ist», sagte Michael Klein, Professor für internationale Wirtschaftsfragen an der Fletcher School der Tufts University in Dallas vor der griechischen Ankündigung in der Nacht auf Montag. Bei Krisenländern «ist oft die Frage, wie wirksam sie überhaupt handeln können.»

37 Fälle ausgewertet

Die IWF-Studie aus dem letzten Jahr zeigt, dass das wahrscheinlichste Szenario ein Ausblieben von Kapitalzuflüssen ist, weil ausländische Investoren Länder meiden, aus denen man Erträge nicht wieder zurückholen kann. Für die Studie wurden 37 Fälle von 1995 bis 2010 ausgewertet. Zugleich aber dürften die Abflüsse andauern, weil die Menschen versuchten, auf jede mögliche Weise ihr Geld hinauszuschaffen, erklärt Marcio Garcia, Wirtschaftsprofessor an der päpstlichen katholischen Universität (PUC) in Rio de Janeiro.

Trotzdem sind Einschränkungen des Kapitalflusses zunehmend zu gängigen Zwischenmassnahmen geworden, die Regierungen in unruhigen Zeiten ergreifen. Während der Asienkrise, die 1997 begann, hatten Länder wie Thailand, Malaysia oder Indonesien Beschränkungen für Kapitalabflüsse eingeführt. Damals hatten Sorgen um die Finanzen der Industrieländer dazu geführt, dass Investoren Geld aus Schwellenländern abzogen.

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Erfolg in Island

2008 führte Island Kapitalverkehrskontrollen ein. Die Landeswährung Krone stabilisierte sich kurz darauf, und der IWF erklärte, dass die Massnahmen dem Land Spielraum verschafft hätten, um wieder auf Kurs zu kommen. Im Juni dieses Jahres gab Island Pläne bekannt, die Beschränkungen wieder aufzuheben.

In der Nacht zum Montag veröffentlichte Griechenland ein Dekret zur Einführung von Kapitalverkehrskontrollen und zur Schliessung der Banken. Die Banken werden demnach bis mindestens Montag kommender Woche geschlossen bleiben, die Barabhebungen sind auf 60 Euro pro Tag begrenzt. Zahlungen und Überweisungen ins Ausland sind untersagt.

«Sinnbild des Versagens»

Zwei Jahre zuvor hatte das Euro-Mitglied Zypern nach einer nationalen Bankenkrise Überweisungen beschränkt. Doch diese Massnahmen wurden von internationalen Finanzhilfen begleitet. Die Massnahmen, unter anderem Beschränkungen von Barabhebungen auf 300 Euro am Tag und Einschränkungen für Auslandsüberweisungen, dauerten zwei Jahre und machten Reformen möglich, die nach einhelliger Meinung der führenden Politiker dringen notwendig waren, sagt Gabriel Sterne, Leiter Global Macro Research bei Oxford Economics.

«Der Hauptpunkt ist, dass die Massnahmen in Zypern Teil einer harten Lösung waren, während die griechischen Teil der Unfähigkeit sind, sich auf eine vernünftige Lösung zu einigen», so Sterne. «Kapitalkontrollen in Griechenland sind ein Sinnbild des Versagens.»

Erinnerungen an Argentiniens Zusammenbruch

Die Lage in Griechenland erinnert an das Chaos, das Anfang 2002 zum wirtschaftlichen Zusammenbruch Argentiniens führte, sagt Athanasios Orphanides, der bis 2012 Gouverneur der Zentralbank von Zypern war. Argentinien war damals mit 95 Milliarden Dollar in Verzug geraten und hatte Bankguthaben eingefroren, Pensionsrückstellungen konfisziert und Auslandsüberweisungen verboten, um die jahrzehntelange Bindung an den Dollar aufrechtzuerhalten und das Bankensystem zu schützen.

Die Massnahmen lösten Unruhen aus, bei denen mindestens 27 Menschen starben; sie zerstörten das Vertrauen in die Regierung und verschärften eine der schlimmsten Wirtschaftskrisen der neueren Geschichte, so Barclays Plc. Schliesslich gab Argentinien die Dollarbindung auf und wandelte auf Dollar lautende Guthaben in Peso um, wodurch die Einlagen der Bürger praktisch um mehr als zwei Drittel entwertet wurden.

Die griechische Situation ist vergleichbar. Dem Land fehlt das Geld zum Ausgeben und die Möglichkeiten, Euro selbst zu drucken - womit Kapitalverkehrskontrollen beinahe nutzlos sind, erklärt Orphanides, der heute als Professor an der Sloan School of Management am MIT tätig ist.

Probleme werden nicht gelöst

Damit stehen Bundeskanzlerin Angela Merkel und anderen führenden Politikern des Euroraums vor schweren Entscheidungen, wozu sie bereit sind, um Griechenland im Euroraum zu halten. Sollte es einen «ungeordneten Ausstieg» aus dem Euro geben, schrieb Barclays in einer Studie vom 3. Juni, könnten die griechischen Sparer eines Morgens aufwachen und feststellen, dass ihre Einlagen auf Drachme lauten - ähnlich wie es in Argentinien passiert war.

Kapitalverkehrskontrollen «würden kein Problem lösen», so Orphanides. «Die europäischen Regierungen müssen sich entscheiden. Entweder sie drängen Griechenland aus dem Euro, oder sie müssen die Schuldenlast senken, vor der die Regierung steht, um dem Land zu helfen, im Euro zu bleiben.»

(bloomberg/gku/mbü)