Der antizyklische Kapitalpuffer, der Banken zu einer stärkeren Hinterlegung ihrer Hypotheken mit Eigenmitteln verpflichtet, wirkt einer Studie zufolge. Der Puffer soll die Risiken einer Immobilienblase eindämmen. Er stärkt die Widerstandsfähigkeit der Banken, indem er die Hypothekenvergabe von kapitalschwachen zu kapitalstarken Banken hin verschiebt.

Zu diesem Schluss kommen die Ökonomen Christoph Basten von der ETH Zürich und Cathérine Koch von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), über deren Studie die «Sonntagszeitung» berichtete und die die BIZ auf ihrer Internetseite veröffentlicht hat.

Exponierte Banken verteuern ihre Kredite

Die Ökonomen untersuchten die Phase vor und nach Einführung eines zusätzlichen Kapitalpuffers von einem Prozent im Februar 2013. Sie analysierten dazu Kundengesuche und Offerten der Banken aus dem Hypothekenportal des Vergleichsdienstes Comparis.

Schwächer kapitalisierte Banken erhöhten ihre Hypothekarzinsen stärker als ihre bezüglich Kapitalisierung besser aufgestellten Mitbewerber. Auch Banken, die auf die Hypothekenvergabe spezialisiert sind, erhöhten die Zinsen stärker als andere Institute. Denn mit dem antizyklischen Kapitalpuffer müssen nicht nur neue Hypotheken mit mehr Eigenmitteln unterlegt werden, sondern auch bestehende Kredite.

Anreiz durch tiefere Zinsen

Unter der Annahme, dass die Eigenheimbesitzer tiefere Zinsen den höheren vorzögen, verschiebe der Kapitalpuffer die Vergabe von neuen Hypotheken von schwächer kapitalisierten hin zu stärker kapitalisierten Banken sowie von stärker zu weniger stark im Hypothekengeschäft exponierten Instituten, schlussfolgern die Studienautoren.

Beide Effekte unterstützten das Ziel des Kapitalpuffers, die Hypothekenvergabe zu widerstandsfähigeren Banken zu verlagern.

Hohe Risiken

Die Schweiz hatte als erstes Industrieland den antizyklischen Kapitalpuffer eingeführt. Noch im Juni hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) erklärt, regelmässig zu prüfen, ob der Puffer angepasst werden soll. Derzeit verlangt er zwei Prozent an zusätzlichen Eigenmitteln für Wohnbauhypotheken.

Die Risiken auf dem Immobilienmarkt werden weiterhin als hoch eingeschätzt. Die tiefen Zinsen treiben die Nachfrage nach Immobilien an.

(sda/ise)

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