Nachdem die Schweizerische Nationalbank mit der Aufgabe der Frankengrenze für Panik an den Devisenmärkten gesorgt hat, rückt mit einem Schlag Dänemarks Notenbank ins Visier. Offenbar wachsen bei Grossinvestoren die Bedenken, die Währungshüter des nordeuropäischen Landes könnten dem Beispiel der SNB folgen.

Am gestrigen Nachmittag reagierten die dänischen Notenbanker deshalb und verschoben die Depositenrate weiter in den negativen Bereich, von minus 0,05 auf minus 0,2 Prozent. Laut Ökonomen sei der Schritt eine Reaktion auf den stetigen Aufwärtsdruck auf die Krone gewesen und könnte Spekulationen nähren, dass die Notenbank schon bald ihre Bindung an den Euro aufgibt.

Dänemark hat die «notwendigen Werkzeuge»

Die Notenbank dementierte entsprechende Gerüchte umgehend. Man habe die «notwendigen Werkzeuge, um die Bindung zu verteidigen, sagte ein Sprecher der in Kopenhagen ansässigen Zentralbank. Ein Vergleich zwischen Dänemark und der Schweiz sei «etwas abseitig». Und gefragt, ob die Notenbank in Erwägung gezogen habe, die Währungsbindung aufzugeben, sagt er: «Natürlich nicht.»

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Die Aussage ist nicht verwunderlich, denn eine andere Äusserung hätte sofort Spekulationen gegen die Krone nach sich gezogen. Doch Fakt ist: Die Zweifel nehmen zu. Nicht zuletzt deshalb, weil SNB-Chef Jordan am Donnerstag betonte, dass ein fundamentaler Kurswechsel in der Notenbankpolitik nur überraschend erfolgen und nicht über Wochen diskutiert werden könne. Das dürfte Anleger misstrauischer gemacht haben.

Neue Intervention womöglich noch in dieser Woche

Da die dänische Notenbank ihre Entscheidung an einem Montag bekannt gegeben habe, dürfte der Umfang der Währungszuflüsse – und damit der Aufwertungsdruck auf die dänische Krone – «massiv» gewesen sein, sagte Arne Lohmann Rasmussen, Devisenexperte bei der Danske Bank. Er rechnet wie andere Experten deshalb auch mit weiteren Interventionen – womöglich bereits an diesem Donnerstag, sollte die Europäische Zentralbank ein grosses Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen lancieren.

Doch eine Abkehr von der Bindung an den Euro und einem ähnlichen Marktbeben wie nach dem SNB-Entscheid scheint derzeit kaum denkbar. Zwar ist die Wirtschaft Dänemarks mit einem hohen Leistungsbilanzüberschuss ebenfalls stark – das spricht tendenziell für eine Unterbewertung der Währung. Doch für Anleger spielt das Land in Nordeuropa im Vergleich zur Eidgenossenschaft, die weltweit als sicherer Hafen gilt, eine untergeordnete Rolle.

Bindung der Krone an den Euro glaubwürdiger

Laut Zahlen der Basler Bank für Internationalen Zahlungsausgleich lag der Anteil von Devisentransaktionen in dänischen Kronen am globalen Handel 2013 nur bei 0,8 Prozent. Der Schweizer Franken hatte demgegenüber einen Anteil von 5,2 Prozent. Deshalb war der Aufwertungsdruck auf die Krone zuletzt schwächer als beim Franken.

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Daneben ist die Anbindung zum Euro glaubwürdiger. Der Mindestkurs der SNB wurde erst im Herbst 2011 eingeführt und galt seit jeher als temporäres Mittel. Die Krone jedoch ist seit dem Jahr 1982 an die D-Mark gekettet, mit Einführung der Gemeinschaftswährung 1999 wurde die Anbindung an den Euro weitergeführt – zu einem Kurs von 7,46 Kronen für einen Euro, mit einer Abweichung von maximal 2,25 Prozent nach oben und unten.

Depositenrate könnte weiter fallen

Daneben stehen den Dänen noch einige Abwehrwaffen bereit: Eine Möglichkeit wäre, die Depositenrate tiefer in den negativen Bereich zu drücken. Im Vergleich zur Schweiz, wo die Rate nun bei minus 0,75 Prozent liegt, hat die dänische Zentralbank noch immer etwas mehr Spielraum. Zudem hat sie im Gegensatz zur SNB bislang nur sehr begrenzt Fremdwährungen gekauft.

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(Mit Material von Bloomberg)