Wie steht es um die Weltwirtschaft – eine Frage, die sich wohl jeder in diesem Jahr angesichts der schwelenden Eurokrise und der prekären Budget-Situation in den USA das eine oder andere Mal gestellt hat. Und auf die viele Ökonomen eine Antwort suchten. Die Leserinnen und Leser von «Handelszeitung Online» interessierten die Erklärungs- und Prognoseversuche, Texte zur Euro- und Weltwirtschaftskrise hatten in diesem Jahr Hochkonjunktur. Vorneweg eine Analyse von Klaus Wellershoff, Chef der international tätigen Unternehmensberatung Wellershoff & Partners in Zürich, und Honorarprofessor für angewandte Volkswirtschaftslehre an der Universität St.Gallen. Er prophezeite in seinem Text Düsteres: «Die Mutter aller Rezessionen steht uns erst bevor».

Die Reaktionen der Leserinnen und Leser fielen sehr unterschiedlich aus: Etliche stimmten Wellershoff'schen Szenario zu - wie etwa jener Nutzer, der «lange Zeit nicht mehr einen so guten realitätsnahen und kompetenten Beitrag zur aktuellen Situation gelesen» habe. Andere wiederum störten sich lauthals an der Ökonomen-Sprache: «Können Sie auch einfacher - oder ist die Kluft zwischen Mittelmass und Professur zu hoch?»

Sichere Häfen

In der zunehmenden Angst um die Stabilität der Eurozone und auch der USA suchten Anleger verzweifelt nach sicheren Häfen... und fanden Sie in Gold, Silber – und dem Schweizer Franken. Das hatte eindrückliche Höhenflüge beim Preis der Edelmetalle und an den Devisenmärkten zur Folge. Der Goldpreis knackte am 5. September dieses Jahres sogar den Stand von 1900 Euro. Der Text «Gold: Historische Wende» über das Comeback des Edelmetalls war denn auch einer der meistgelesenen Texte des Jahres. 

Anzeige

Der Franken erlebte ähnliche Höhenflüge: Am 10. August erreichte er um ein Haar die Parität zum Euro – dann griff die Schweizerische Nationalbank (SNB) ein. Zunächst nur mit Andeutungen, deren Wirkungen im Markt rasch verpufften - bis die SNB den Mindestkurs von 1.20 Franken festlegte. So konnte sie die Aufwertung zwar stoppen, doch der Schritt zog eine drastische Erhöhung der Geldmenge nach sich – und auch das bereitete Autor Frank Stocker Sorgen. «In der Schweiz tickt eine Zeitbombe», warnte der Journalist von «Die Welt». 

Banken in Schieflage

In dem schwierigen Umfeld gerieten immer mehr Banken zusehends in Schieflage. In Deutschland machte die Commerzbank mit ihrem Kampf ums Überleben Schlagzeilen. Einer unserer meistegelesenen Texte, der «Wettlauf gegen das Lichterlöschen», beschreibt die prekäre Situation des Finanzinstituts. Aus eigener Kraft konnten sich viele europäische Insitiute zuletzt kaum noch mit Liquidität versorgen – Verstaatlichung, Konkurs – alles war möglich. Star-Ökonom Nouriel Roubini spricht sich in seinem Text «Warum Karl Marx mit seiner Kapitalismuskritik recht hatte» vehement gegen Ersteres aus: «Eine weitere Runde von Bankenrettungen ist politisch inakzeptabel und wirtschaftlich undenkbar.» Die EZB wollte im Dezember dennoch nicht weiter zusehen: Mit einer beispiellosen Geldspritze von rund 500 Milliarden Euro griff sie den Banken unter die Arme. Sie soll den strauchelnden Instituten der Eurozone helfen, ihre Schulden zu finanzieren.

Inmitten aller Sorgen um die Eurozone legen unsere Leser aber dennoch offenbar Wert auf ihr liebstes Spielzeug. Artikel über das iPhone – ob es nun das (zwar das von der Fanbasis sehnlichst gewünschte, aber noch nicht realisierte) iPhone 5, das iPhone 4 oder das 4Gs waren – erwiesen sich 2011 als Dauerbrenner: Form, Software, Lieferzeitpunkt. Auch wir konnten meistens nur spekulieren – lagen mit den Prognosen aber oft nahe an der Realität. À propos Prognosen – für einen ganz kurzen Moment mutierten die Online-Redaktoren zu standfesten Wetterfröschen. Einer der Top-Texte des Jahres: «Sturm Joachim fegt über die Schweiz»