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Katar wappnet sich mit Schweizer Hilfe

Strassenszene: Seit fast zwei Monaten wird Katar von den Nachbarn unter Druck gesetzt. Keystone

Katar wird von seinen Nachbarn unter Druck gesetzt. Das Emirat will seine Lebensmittel deshalb nicht mehr über Saudi-Arabien beziehen. Ein Schweizer Unternehmen hilft den Katari dabei.

Von Marc Bürgi
am 18.07.2017

Seit fast zwei Monaten setzen Katars Nachbarländer das kleine Golfemirat unter Druck. Saudi-Arabien und seine Verbündete werfen ihm vor, Terroristen zu unterstützen, und sie stören sich an Katars Nähe zum Iran – dem Erzfeind der saudischen Königsfamilie. Mit einem Wirtschaftsembargo versuchen sie, Katar zum politischen Kurswechsel zu zwingen. Bislang hat Katar sich davon nicht beeindrucken lassen.

Katar versucht vielmehr, sich wirtschaftlich von den Nachbarn zu lösen. Ein wichtiges Projekt stellte die Regierung letztes Wochenende vor – und der St. Galler Maschinenhersteller Bühler ist darin involviert. Am Hafen der Hauptstadt Doha entsteht ein neues Zentrum für Lebensmittel. Reis, Zucker und Pflanzenöl sollen im Hamad Port gelagert und verarbeitet werden.

Millionenauftrag für Bühler

Bühler liefert für mehrere Millionen Franken Maschinen für die Verarbeitung von Reis, wie ein Sprecher handelszeitung.ch eine Agenturmeldung bestätigte. Geschäftspartner der St. Galler ist dabei nicht die katarische Regierung selbst, sondern ein lokales Ingenieurbüro, das den Bau leitet. Bühler hat laut dem Sprecher keine Angst, wegen des Auftrags Probleme im Nachbarland Saudi-Arabien zu bekommen – den Auftrag erhielt der Konzern demnach bereits vor Beginn der Krise.

Das Vorhaben mit Kosten von umgerechnet 410 Millionen Franken ist für Katar wichtig, denn bislang importierte das kleine Land fast 40 Prozent seiner Lebensmittel via den Nachbarn Saudi-Arabien – und diese Grenze haben die Saudis gesperrt. Mit den neuen Lagerhallen wird sich Katar rund zwei Jahre selbst mit den Lebensmitteln versorgen können. Es ist nur eines der Projekte, mit denen Katar seine Versorgung sicherstellt. Schlagzeilen machte Katars Kauf von 1000 Milchkühen in Deutschland. Das Emirat benötigt die Tiere, um mitten in der Wüste eigene Milchprodukte herzustellen.

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Nicht nur Bühler ist in dem Golfemirat tätig. Letztes Jahr exportierte die Schweizer Wirtschaft Waren im Wert von 824 Millionen Franken in das Land am Persischen Golf. Seit Jahren gehört die Schweiz zu den 20 wichtigsten Importländern. Durch den Boykott seiner Nachbarn könnte «Made in Switzerland» für die Kataris bald noch wichtiger werden.

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