Die Schweiz geht in die wohlverdienten Sommerferien. Da wird es höchste Zeit, die passende Strandlektüre auszusuchen. Eine kleine Entscheidungshilfe liefert nun ein Mathematikprofessor von der Universität Wisconsin. Jordan Ellenberg hat ein Barometer entwickelt, das zeigen soll, welche Bücher die Leser am längsten fesseln – oder eben nicht. Getestet hat er mehrere Bestseller dieses Sommers, mit überraschenden Ergebnissen. 

Ellenberg bedient sich des Werkzeugs «Populäre Highlights» bei Amazon – «ein schnelles und dreckiges Mittel», wie er schreibt. Die Kindle-Ausgabe listet demnach für jedes Buch die fünf am häufigsten markierten Stellen der Leser auf. Hält jeder Leser bis zum Ende durch, sollten die Markierungen über die gesamte Buchlänge eigentlich gleichmässig verteilt sein. Kommt jedoch kaum jemand über die Einleitung hinaus, häufen sich die markierten Stellen zu Beginn des Buches.

Der Bestseller, der nicht gelesen wird

Ellenbergs sogenannter Hawking-Index verwendet nun die Seitenzahlen der fünf am häufigsten markierten Stellen, bildet daraus den Schnitt und teilt die Zahl dann durch die Gesamtzahl der Buchseiten. Je grösser diese Nummer, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass mehr Leser das untersuchte Buch ganz gelesen haben, folgert Ellenberg.

Anzeige

Der Mathematikprofessor möchte seinen Index zwar weniger wissenschaftlich als viel mehr unterhaltende Spielerei verstanden wissen. Doch die Ergebnisse sind beeindruckend. Vor allem wenn Sie eigentlich vorhatten, sich in den Ferien endlich den Wirtschaftsbestseller des Jahres vorzunehmen. Denn die ganze Welt redet zwar über «Capital in the Twenty-First Century». Mehrere Wochen rangierte Pikettys Buch in den Bestsellerlisten ganz oben, noch vor Jugendbüchern, Fantasyromanen und Ratgebern. Doch kaum jemand hat das rund 700 Seiten dicke Buch gelesen. Geschweige denn ganz.

Selbst Atomphysiker Hawking hält mehr Leser bei der Stange

Laut Ellenberg ist es sogar der am wenigsten gelesene Bestseller des Jahres – mindestens. Denn die letzte der populärsten fünf markierten Stellen findet sich bereits auf Seite 26. Ellenbergs Indexwert erreicht damit lediglich 2,4 Prozent. Selbst Bücher des Atomphysikers Stephen Hawking – nach dem der Mathematiker den Index eigentlich benannte – halten mehr Leser bei der Stange als Piketty.

Mit anderen Worten: Haben Sie Piketty zwar im Feriengepäck, am Ende jedoch nicht gelesen – schämen Sie sich nicht: So geht es fast allen. Laut Ellenberg kommt in diesem Sommer nur ein Buch nahe an die Rate von 100 Prozent – welches das ist, sehen sie in der obigen Bildergalerie.